Was ist ein Balkonkraftwerk?
Ein Balkonkraftwerk (BKW), auch Steckersolargerät oder Mini-PV-Anlage genannt, ist eine kleine Solaranlage, die Sie einfach an eine Steckdose anschließen. Der erzeugte Strom fließt direkt in Ihr Hausnetz und reduziert Ihren Stromverbrauch — und damit Ihre Stromrechnung.
Die Grundausstattung eines Balkonkraftwerks:
- 1–2 Solarmodule (je 300–450 Wp): Erzeugen den Gleichstrom
- Mikrowechselrichter (600–800 W): Wandelt Gleichstrom in Wechselstrom um
- Anschlusskabel mit Schuko- oder Wieland-Stecker: Verbindet die Anlage mit dem Hausnetz
- Halterungssystem: Für Balkonbrüstung, Terrasse, Garten oder Fassade
Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Module erzeugen Strom, der Wechselrichter wandelt ihn um und speist ihn über die Steckdose direkt ins Hausnetz ein. Ihre elektrischen Geräte nutzen zuerst den Solarstrom — nur wenn der Verbrauch höher ist als die Produktion, fließt zusätzlicher Strom vom Netzbetreiber.
Wer kann ein Balkonkraftwerk nutzen?
- Mieter (seit 2024 gesetzlich als privilegierte bauliche Veränderung anerkannt)
- Wohnungseigentümer (Eigentumswohnung mit Balkon, Terrasse oder Garten)
- Eigenheimbesitzer (als Ergänzung oder Einstieg)
- Gartenbesitzer (Aufstellung im Garten oder am Gartenhaus)
Seit der WEG-Reform 2024 können Vermieter und Wohnungseigentümergemeinschaften die Installation eines Balkonkraftwerks nicht mehr ohne triftigen Grund ablehnen. Mieter haben ein Recht auf die Installation — vorausgesetzt, das Gerät entspricht den geltenden Normen und Sicherheitsvorschriften.
Rechtslage 2026: Die 800-Watt-Grenze und Vereinfachungen
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Balkonkraftwerke wurden in den letzten Jahren schrittweise vereinfacht. 2026 gelten folgende Regeln:
Die wichtigsten Regelungen im Überblick:
| Regelung | Status 2026 |
|---|---|
| Maximale Wechselrichterleistung | 800 W (AC-seitig) |
| Maximale Modulleistung | 2.000 Wp (DC-seitig, keine Obergrenze) |
| Anmeldung Marktstammdatenregister | Pflicht (vereinfachtes Online-Formular) |
| Anmeldung Netzbetreiber | Entfällt (seit 2024) |
| Stecker-Typ | Schuko-Stecker erlaubt |
| Zähler | Rücklaufender Zähler wird geduldet |
| Mietrecht | Privilegierte bauliche Veränderung |
| Genehmigung Vermieter/WEG | Nicht mehr erforderlich (nur Mitteilung) |
Die 800-Watt-Regel erklärt: Die maximale Einspeiseleistung des Wechselrichters ist auf 800 Watt begrenzt. Das bedeutet: Auch wenn Sie Module mit insgesamt 1.000 oder 1.600 Wp Leistung installieren, drosselt der Wechselrichter die Einspeisung auf maximal 800 Watt. Der Vorteil größerer Module: An bewölkten Tagen oder bei nicht optimaler Ausrichtung erzeugen sie trotzdem noch nahe der 800-Watt-Grenze.
Anmeldung und Registrierung: Die einzige Pflicht-Anmeldung ist die Registrierung im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur. Das geht online in wenigen Minuten. Eine Anmeldung beim Netzbetreiber ist seit der Gesetzesänderung 2024 nicht mehr erforderlich — der Netzbetreiber wird automatisch informiert.
Zähler-Situation: Wenn Sie noch einen alten Ferraris-Zähler (mit Drehscheibe) haben, läuft dieser bei Einspeisung einfach rückwärts — Sie profitieren von einer „inoffiziellen Einspeisevergütung" zum vollen Strompreis. Der Netzbetreiber ist verpflichtet, innerhalb von 4 Monaten einen modernen Zweirichtungszähler einzubauen. Bis dahin wird der Rücklauf geduldet.
Was ist verboten? - Mehr als 800 Watt Wechselrichterleistung (AC-seitig) an einem Anschlusspunkt - Installation ohne Registrierung im MaStR - Manipulation des Zählers - Einspeisung über eine Mehrfachsteckdose oder ein Verlängerungskabel
Kosten und realistischer Ertrag
Balkonkraftwerke sind dank der Mehrwertsteuer-Befreiung (0% MwSt.) und des starken Wettbewerbs 2026 so günstig wie nie zuvor.
Aktuelle Preise (Stand Februar 2026):
| Konfiguration | Preisspanne | Typischer Preis |
|---|---|---|
| 1 Modul (400 Wp) + 600W WR | 200 – 350 € | ca. 270 € |
| 2 Module (800 Wp) + 800W WR | 300 – 600 € | ca. 450 € |
| 2 Module (800 Wp) + 800W WR + Halterung | 400 – 750 € | ca. 550 € |
| 2 Module (1.000 Wp) + 800W WR + Halterung | 450 – 800 € | ca. 600 € |
| Premium-Set mit Speicher (1–2 kWh) | 800 – 1.800 € | ca. 1.200 € |
Realistischer Ertrag pro Jahr:
Der Ertrag hängt von der Ausrichtung, Neigung und Verschattung ab. Hier sind realistische Werte für ein typisches 800-Wp-System:
| Ausrichtung | Neigung | Jahresertrag | Ersparnis/Jahr * |
|---|---|---|---|
| Süd | 30° (optimal) | 750 – 850 kWh | 285 – 323 € |
| Süd | Senkrecht (Balkon) | 550 – 650 kWh | 209 – 247 € |
| Ost oder West | 30° | 600 – 700 kWh | 228 – 266 € |
| Ost oder West | Senkrecht (Balkon) | 400 – 500 kWh | 152 – 190 € |
* Bei 38 ct/kWh Strompreis und 100% Eigenverbrauch
Eigenverbrauchsanteil: Anders als bei großen PV-Anlagen liegt der Eigenverbrauchsanteil bei Balkonkraftwerken bei 70–95%. Der Grund: Die geringe Leistung von maximal 800 Watt wird tagsüber fast immer vollständig vom Haushalt verbraucht (Kühlschrank, Router, Standby-Geräte, etc. verbrauchen zusammen leicht 200–500 Watt).
Amortisation: Bei einem Anschaffungspreis von 450–600 Euro und einer jährlichen Ersparnis von 150–300 Euro amortisiert sich ein Balkonkraftwerk in 2–4 Jahren. Danach produziert es mindestens 20 Jahre lang kostenlos Strom.
Montage und Aufbau: So installieren Sie Ihr Balkonkraftwerk
Die Installation eines Balkonkraftwerks ist absichtlich so einfach gestaltet, dass jeder es selbst machen kann. Spezialwerkzeug oder Elektrikerkenntnisse sind nicht nötig.
Montageoptionen:
1. Balkonbrüstung (häufigste Variante): Die Module werden mit speziellen Halterungen an der Balkonbrüstung befestigt. Die meisten Sets enthalten verstellbare Haken, die über die Brüstung geklemmt werden. Die Module stehen dann senkrecht oder leicht geneigt am Balkon.
- Vorteil: Keine Bohrungen nötig, schnelle Montage (30 Min.)
- Nachteil: Senkrechte Ausrichtung reduziert den Ertrag um 20–30%
- Geeignet für: Stahlgeländer, Betonbrüstungen, Glasgeländer (mit Adapter)
2. Flachdach / Terrasse / Garten: Die Module werden auf einer Aufständerung montiert. Der optimale Neigungswinkel beträgt 30–35 Grad. Beschwert werden die Ständer mit Gehwegplatten oder Sandsäcken.
- Vorteil: Optimaler Neigungswinkel möglich, höchster Ertrag
- Nachteil: Benötigt Fläche, Module müssen gegen Wind gesichert werden
- Geeignet für: Terrassen, Gärten, Garagen-Flachdächer
3. Fassade: Die Module werden direkt an der Hausfassade oder Garagenwand montiert. Die senkrechte Montage reduziert den Ertrag, kann aber für Südfassaden eine gute Option sein.
4. Schrägdach (Aufdach-Montage): Mit speziellen Dachhaken können Balkonkraftwerk-Module auch auf Schrägdächern installiert werden. Dies ergibt den höchsten Ertrag, erfordert aber Arbeiten auf dem Dach.
Schritt-für-Schritt-Anleitung (Balkonmontage):
1. Halterung an der Balkonbrüstung befestigen (Schrauben anziehen, Ausrichtung prüfen) 2. Solarmodul(e) in die Halterung einhängen und verschrauben 3. Modulkabel mit dem Mikrowechselrichter verbinden (MC4-Stecker) 4. Wechselrichter mit dem beiliegenden Kabel an die nächste Steckdose anschließen 5. Im Marktstammdatenregister registrieren (online, 5 Minuten) 6. Fertig — der Strom fließt sofort
Sicherheitshinweise: - Verwenden Sie nur Geräte mit CE-Zeichen und VDE-Konformität - Die Steckdose muss mit einem FI-Schutzschalter (RCD) gesichert sein - Kein Verlängerungskabel oder Mehrfachsteckdose verwenden - Bei Gewitter keine Arbeiten am Gerät durchführen - Module nicht an instabilen Brüstungen oder Geländern montieren
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? Unsere Einschätzung
Die kurze Antwort: Ja, ein Balkonkraftwerk lohnt sich fast immer. Die Amortisationszeit von 2–4 Jahren ist extrem kurz, das finanzielle Risiko bei einer Investition von 300–600 Euro minimal und die Installation denkbar einfach.
Für wen lohnt sich ein Balkonkraftwerk besonders?
- Mieter: Einzige Möglichkeit, ohne eigenes Dach Solarstrom zu erzeugen
- Eigentümer ohne Budget für große PV-Anlage: Günstiger Einstieg in die Solarenergie
- Rentner: Überschaubare Investition, sofortige Stromkostenersparnis
- Technikbegeisterte: Eigenen Solarstrom erzeugen und monitoren
Für wen lohnt sich ein Balkonkraftwerk weniger?
- Eigenheimbesitzer mit geeignetem Dach: Eine vollwertige Dach-PV-Anlage ist wirtschaftlich deutlich attraktiver. Ein Balkonkraftwerk erzeugt 750 kWh/Jahr, eine 10-kWp-Dachanlage 10.000 kWh/Jahr.
- Nordbalkon ohne Alternativen: Bei reiner Nordausrichtung und Verschattung sinkt der Ertrag auf unter 300 kWh/Jahr — die Amortisation dauert dann 5–7 Jahre.
Balkonkraftwerk mit Speicher — sinnvoll?
Seit 2025 gibt es zunehmend Balkonkraftwerk-Sets mit integriertem Kleinspeicher (0,5–2 kWh). Der Speicher puffert den tagsüber erzeugten Strom und gibt ihn abends ab. Für Berufstätige, die tagsüber wenig Strom verbrauchen, kann das den Eigenverbrauch von 70% auf 90% steigern.
| Konfiguration | Kosten | Eigenverbrauch | Amortisation |
|---|---|---|---|
| 800 Wp ohne Speicher | 450 € | 70–85% | 2–3 Jahre |
| 800 Wp + 1 kWh Speicher | 900 € | 85–95% | 3–5 Jahre |
| 800 Wp + 2 kWh Speicher | 1.200 € | 90–98% | 4–6 Jahre |
Fazit: Ein Balkonkraftwerk ist keine große Investition — aber eine kluge. Mit 300–600 Euro Einsatz sparen Sie 150–300 Euro pro Jahr. Nach spätestens 4 Jahren ist die Investition zurück, und Sie produzieren 20+ Jahre kostenlosen Strom. Es gibt kaum eine Anlage mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn Sie ein Dach besitzen, sollten Sie allerdings über eine vollwertige PV-Anlage nachdenken — der Nutzen ist um ein Vielfaches größer.
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