Begriffserklärung: Die drei Einspeisemodelle
Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, muss sich für ein Einspeisemodell entscheiden. In Deutschland gibt es grundsätzlich drei Varianten, die sich in der Art und Menge des eingespeisten Stroms unterscheiden.
Überschusseinspeisung (Teileinspeisung): Das mit Abstand häufigste Modell. Sie verbrauchen den Solarstrom zunächst selbst. Nur der Überschuss — also der Strom, den Sie gerade nicht benötigen — fließt ins öffentliche Netz. Dafür erhalten Sie die Einspeisevergütung nach EEG. Bei einer 10-kWp-Anlage sind das aktuell 8,2 ct/kWh.
Volleinspeisung: Der gesamte erzeugte Solarstrom wird ins Netz eingespeist. Sie verbrauchen keinen Solarstrom selbst, beziehen Ihren Haushaltsstrom also weiterhin komplett vom Energieversorger. Im Gegenzug erhalten Sie eine höhere Vergütung: 12,9 ct/kWh bei Anlagen bis 10 kWp.
Nulleinspeisung: Das Gegenteil der Volleinspeisung — es wird keinerlei Strom ins Netz eingespeist. Der gesamte Solarstrom wird selbst verbraucht oder in einem Batteriespeicher zwischengespeichert. Überschüssiger Strom wird technisch begrenzt (Abregelung).
Die Wahl des Einspeisemodells hat erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage. Dabei spielen Ihr Verbrauchsprofil, die Anlagengröße und der aktuelle Strompreis eine entscheidende Rolle.
Vor- und Nachteile im Vergleich
Jedes Einspeisemodell hat spezifische Stärken und Schwächen. Die folgende Tabelle gibt einen kompakten Überblick:
| Kriterium | Überschusseinspeisung | Volleinspeisung | Nulleinspeisung |
|---|---|---|---|
| Vergütung | 8,2 ct/kWh | 12,9 ct/kWh | 0 ct/kWh |
| Eigenverbrauch | 25–75% | 0% | 100% |
| Wirtschaftlichkeit | Sehr hoch | Mittel | Situationsabhängig |
| Speicher sinnvoll? | Ja | Nein | Zwingend nötig |
| Netzanmeldung | Ja | Ja | Vereinfacht |
| Zählerkosten | Zweirichtungszähler | Einspeisezähler | Ggf. kein Einspeisezähler |
| Autarkie | Mittel–Hoch | Keine | Maximal |
Überschusseinspeisung bietet den besten Kompromiss: Jede selbst verbrauchte kWh spart 38 ct Stromkosten, während der Überschuss immerhin noch 8,2 ct bringt. Für die meisten Einfamilienhäuser ist das die wirtschaftlich beste Option.
Volleinspeisung kann sich lohnen, wenn Sie tagsüber kaum Strom verbrauchen — etwa bei Ferienhäusern, Mehrfamilienhäusern mit großen Dachflächen oder gewerblichen Gebäuden mit wenig Eigenverbrauch. Die um 57% höhere Vergütung gleicht den fehlenden Eigenverbrauchsvorteil teilweise aus.
Zudem ist echte Nulleinspeisung technisch aufwändig: Der Wechselrichter muss permanent die Netzeinspeisung überwachen und die Leistung drosseln. Nicht alle Wechselrichter unterstützen diese Funktion zuverlässig.
Wann lohnt sich welches Modell?
Die Wahl des optimalen Einspeisemodells hängt von mehreren Faktoren ab. Hier finden Sie konkrete Entscheidungshilfen für die gängigsten Situationen.
Überschusseinspeisung wählen, wenn: - Sie in einem Einfamilienhaus mit normalem Verbrauch leben (3.000–6.000 kWh/Jahr) - Ihr Stromverbrauch teilweise tagsüber stattfindet (Homeoffice, Familie) - Sie einen Batteriespeicher haben oder planen - Sie den besten Kompromiss aus Autarkie und Wirtschaftlichkeit suchen
Volleinspeisung wählen, wenn: - Sie eine sehr große Dachfläche haben (> 15 kWp möglich) - Ihr Eigenverbrauch tagsüber minimal ist - Sie kein Interesse an einem Batteriespeicher haben - Das Gebäude wenig bewohnt wird (Ferienhaus, Vermietung)
Nulleinspeisung wählen, wenn: - Sie aus regulatorischen Gründen nicht ins Netz einspeisen dürfen - Eine Netzanmeldung aus technischen Gründen nicht möglich ist - Sie maximale Unabhängigkeit vom Netzbetreiber wünschen
Rechenbeispiel: Überschuss vs. Volleinspeisung (10 kWp, 10.000 kWh/Jahr Produktion)
| Szenario | Eigenverbrauch | Einspeiseerlös | Stromkostenersparnis | Gesamtertrag/Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Überschuss (30% EV) | 3.000 kWh × 38 ct | 7.000 kWh × 8,2 ct | 1.140 € | 1.714 € |
| Überschuss (65% EV, Speicher) | 6.500 kWh × 38 ct | 3.500 kWh × 8,2 ct | 2.470 € | 2.757 € |
| Volleinspeisung | 0 kWh | 10.000 kWh × 12,9 ct | 0 € | 1.290 € |
Das Ergebnis ist eindeutig: Selbst ohne Speicher schlägt die Überschusseinspeisung die Volleinspeisung um 424 Euro pro Jahr. Mit Speicher beträgt der Vorteil sogar 1.467 Euro jährlich. Die Volleinspeisung lohnt sich erst, wenn der Eigenverbrauchsanteil unter 15% liegt — ein seltener Sonderfall.
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