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Autarkie mit Solar: Wie unabhängig können Sie wirklich werden?

Kombination|10 Min. Lesezeit|Hausbilanz Redaktion|7. Februar 2026
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Autarkie vs. Eigenverbrauch: Der wichtige Unterschied

Zwei Begriffe, die häufig verwechselt werden, aber grundlegend verschiedene Dinge aussagen: Autarkiegrad und Eigenverbrauchsquote. Für eine fundierte Entscheidung müssen Sie beide verstehen.

Eigenverbrauchsquote: Wie viel Prozent Ihres selbst erzeugten Solarstroms nutzen Sie selbst? Der Rest wird ins Netz eingespeist.

  • Formel: Eigenverbrauch / PV-Erzeugung × 100
  • Beispiel: 3.000 kWh selbst verbraucht / 10.000 kWh erzeugt = 30 % Eigenverbrauch

Autarkiegrad: Wie viel Prozent Ihres gesamten Strombedarfs decken Sie mit eigenem Solarstrom? Der Rest kommt aus dem Netz.

  • Formel: Eigenverbrauch / Gesamtverbrauch × 100
  • Beispiel: 3.000 kWh aus PV / 4.500 kWh Gesamtbedarf = 67 % Autarkie
Info
Ein hoher Eigenverbrauch bedeutet nicht automatisch hohe Autarkie — und umgekehrt. Eine kleine 3-kWp-Anlage kann 80 % Eigenverbrauch erreichen, aber nur 30 % Autarkie. Eine große 15-kWp-Anlage hat vielleicht nur 25 % Eigenverbrauch, aber 70 % Autarkie.

Was ist wirtschaftlich wichtiger?

Beide Kennzahlen haben eine finanzielle Bedeutung:

  • Hoher Eigenverbrauch maximiert den Wert jeder erzeugten kWh. Statt 8,2 ct Einspeisevergütung sparen Sie 38 ct Netzstrom — fast fünfmal so viel.
  • Hohe Autarkie minimiert Ihre Abhängigkeit vom Stromnetz und von Preisschwankungen. Je weniger Strom Sie zukaufen, desto geringer treffen Sie Preiserhöhungen.

In der Praxis suchen wir den optimalen Kompromiss: Möglichst hohe Autarkie, ohne übermäßig viel in Speicher oder Überkapazitäten zu investieren. Dieser Sweet Spot liegt für die meisten Haushalte bei einem Autarkiegrad von 60–75 % und einer Eigenverbrauchsquote von 50–70 %.

Warum nicht einfach mehr PV-Module?

Eine größere PV-Anlage erhöht den Autarkiegrad — aber nur bis zu einem Punkt. Das Problem ist die saisonale Asymmetrie: Im Sommer produzieren Sie bereits mehr als genug, im Winter zu wenig. Mehr Module helfen im Winter kaum (wenig Sonne, flacher Einstrahlwinkel), erzeugen aber im Sommer noch mehr Überschuss. Der Autarkiegrad steigt daher ab einer gewissen Anlagengröße nur noch marginal.

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Autarkiegrade nach Ausstattung

Wie viel Autarkie ist mit welcher Ausstattung realistisch erreichbar? Die folgenden Werte basieren auf Simulationen und Praxisdaten für ein typisches Einfamilienhaus in Deutschland (4 Personen, 4.500 kWh Haushaltsstrom).

Autarkie- und Eigenverbrauchsquoten im Vergleich:

AusstattungEigenverbrauchAutarkiegradJährl. Netzbezug
PV 10 kWp (ohne Speicher)30 %65 %1.575 kWh
PV 10 kWp + 5 kWh Speicher50 %80 %900 kWh
PV 10 kWp + 10 kWh Speicher60 %85 %675 kWh
PV 10 kWp + 10 kWh + Wärmepumpe65 %55 %*4.050 kWh
PV 13 kWp + 10 kWh + WP60 %65 %3.150 kWh
PV 13 kWp + 10 kWh + WP + E-Auto70 %60 %4.800 kWh
PV 15 kWp + 15 kWh + WP + E-Auto65 %70 %3.600 kWh

*Achtung: Die Wärmepumpe erhöht den Gesamtverbrauch erheblich (+ 3.000–5.000 kWh), was den Autarkiegrad zunächst senkt, obwohl absolut mehr Solarstrom genutzt wird.

Achtung
Vorsicht vor Marketing-Versprechen! Manche Anbieter werben mit 80–90 % Autarkie, beziehen sich dabei aber nur auf den Haushaltsstrom — ohne Wärmepumpe und E-Auto. Fragen Sie immer, auf welchen Gesamtverbrauch sich die Angabe bezieht.

Einfluss des Standorts:

Der Autarkiegrad hängt auch vom Standort ab. Süddeutschland hat ca. 15–20 % mehr Sonneneinstrahlung als Norddeutschland. Das macht bei der Autarkie einen Unterschied von 5–8 Prozentpunkten aus.

RegionGlobalstrahlungAutarkie (PV 13 kWp + 10 kWh Speicher)
Bayern, Baden-Württemberg1.200–1.300 kWh/kWp68–73 %
Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen1.050–1.150 kWh/kWp62–67 %
NRW, Niedersachsen, Sachsen950–1.050 kWh/kWp57–63 %
Schleswig-Holstein, MV900–1.000 kWh/kWp54–60 %

Der Speicher als Autarkie-Hebel:

Der Batteriespeicher hat den größten Einzeleffekt auf den Autarkiegrad. Ohne Speicher liegt die Autarkie bei 25–35 % (nur Haushaltsstrom), mit 10 kWh Speicher bei 60–70 %. Allerdings gilt das Gesetz des abnehmenden Grenzertrags: Die ersten 5 kWh Speicher bringen 20 Prozentpunkte mehr Autarkie, die nächsten 5 kWh nur noch 5–8 Prozentpunkte, darüber hinaus wird jede weitere kWh immer weniger wirtschaftlich.

Tipp
Die wirtschaftlich optimale Speichergröße liegt bei 1,0 bis 1,2 kWh pro kWp PV-Leistung. Für eine 10-kWp-Anlage sind das 10–12 kWh. Größere Speicher erhöhen die Autarkie zwar noch etwas, amortisieren sich aber nicht mehr innerhalb der Speicher-Lebensdauer.
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100 % Autarkie — realistisch?

Die Vorstellung, sich komplett vom Stromnetz abzukoppeln, ist verlockend. Aber ist 100 % Autarkie in Deutschland wirklich machbar — und wirtschaftlich sinnvoll?

Das physikalische Problem: Der Winter

Deutschlands Sonneneinstrahlung ist extrem saisonal verteilt. Von November bis Februar produziert eine PV-Anlage nur 10–15 % ihres Jahresertrags, während in dieser Zeit 40–50 % der Heizenergie benötigt werden. Diese Lücke ist mit Batteriespeichern allein nicht zu überbrücken.

Ein Rechenbeispiel: Im Januar produziert eine 15-kWp-Anlage in Norddeutschland nur ca. 300–500 kWh. Der Gesamtverbrauch eines Haushalts mit Wärmepumpe liegt bei 1.500–2.000 kWh. Es fehlen also 1.000–1.500 kWh — das wäre ein Batteriespeicher von 1.500 kWh nötig. Kosten: rund 750.000 Euro. Völlig unwirtschaftlich.

Theoretische Szenarien für 100 % Autarkie:

MethodeMachbar?Kosten
Riesiger Batteriespeicher (1.500 kWh)Theoretisch ja> 500.000 €
Wasserstoff-LangzeitspeicherTechnisch möglich50.000 – 100.000 €
Saisonaler Wärmespeicher (Eisspeicher)Möglich für Wärme20.000 – 40.000 €
Inselanlage mit Diesel-GeneratorMöglich, aber fossil30.000 – 50.000 €
Info
Die ehrliche Antwort: 100 % Strom-Autarkie ist in Deutschland weder wirtschaftlich sinnvoll noch ökologisch optimal. Das Stromnetz ist der effizienteste „Speicher" — im Sommer speisen Sie ein, im Winter beziehen Sie. Das ist volkswirtschaftlich und für den Einzelnen günstiger als jeder Saisonalspeicher.

Der psychologische Aspekt:

Warum streben so viele Menschen nach 100 % Autarkie? Oft steckt der Wunsch nach Unabhängigkeit von Energiekonzernen und Preiserhöhungen dahinter. Die gute Nachricht: Dieser Wunsch lässt sich auch mit 65–75 % Autarkie weitgehend erfüllen. Bei 70 % Autarkie betrifft Sie eine Strompreiserhöhung von 10 % effektiv nur noch zu 3 %. Sie sind also zu einem großen Teil unabhängig — ohne die exorbitanten Kosten einer vollständigen Netzabkopplung.

Die Zukunft: Wird 100 % einfacher?

Ja. Drei Entwicklungen verbessern die Ausgangslage:

1. Sinkende Speicherpreise: Batteriepreise fallen jährlich um 10–15 %. Bis 2030 könnten 20-kWh-Speicher unter 5.000 Euro kosten. 2. Bidirektionales Laden: Das E-Auto mit 60–80 kWh Batterie wird zum Hausspeicher. Vehicle-to-Home (V2H) ist ab 2025/2026 in ersten Fahrzeugen verfügbar. 3. Dynamische Stromtarife: Auch wenn Sie nicht 100 % autark sind — mit dynamischen Tarifen beziehen Sie Reststrom zu Börsenpreisen von oft unter 10 ct/kWh. Das macht den Netzbezug so günstig, dass sich der Wunsch nach absoluter Autarkie finanziell relativiert.

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Die optimale Autarkie-Strategie

Statt blind auf maximale Autarkie zu optimieren, empfehlen wir eine ökonomisch optimierte Strategie: Maximale Unabhängigkeit bei bestmöglicher Wirtschaftlichkeit. So gehen Sie vor.

Stufe 1: PV-Anlage — Dach voll machen (Investition: 12.000–18.000 Euro)

Installieren Sie die größtmögliche PV-Anlage auf Ihrem Dach. Durch die 0 %-MwSt.-Regelung und die schnelle Amortisation (7–10 Jahre) ist jede weitere kWp wirtschaftlich sinnvoll. Eine 10–15-kWp-Anlage bildet das Fundament Ihrer Energieunabhängigkeit.

Ergebnis: 25–35 % Autarkie (nur Haushaltsstrom), 65–70 % Eigenverbrauch.

Stufe 2: Batteriespeicher — Die Nacht überbrücken (Investition: 5.000–9.000 Euro)

Ein 10-kWh-Speicher verschiebt den tagsüber erzeugten Solarstrom in die Abend- und Nachtstunden. Das ist der kosteneffektivste Schritt zur Autarkiesteigerung.

Ergebnis: 60–70 % Autarkie (Haushaltsstrom), 55–65 % Eigenverbrauch.

Tipp
Prüfen Sie, ob Ihr Wechselrichter-Hersteller auch Speicher anbietet. Ein System aus einer Hand (z. B. SMA, Fronius, Huawei) ist einfacher zu installieren und die Kommunikation zwischen den Komponenten funktioniert reibungslos.

Stufe 3: Wärmepumpe — Heizung elektrifizieren (Investition: 15.000–25.000 Euro)

Die Wärmepumpe ersetzt die Gas-/Ölheizung und nutzt im Sommer fast ausschließlich Solarstrom. Im Winter steigt der Netzbezug, aber die Gesamtenergiekosten sinken massiv. Wichtig: Die Wärmepumpe senkt den Autarkiegrad bezogen auf den Gesamtverbrauch zunächst, weil der Gesamtverbrauch steigt — in absoluten Zahlen verbrauchen Sie aber deutlich weniger Netzstrom als vorher mit Gas und separatem Strombezug.

Ergebnis: 55–65 % Autarkie (Gesamtenergie), 65–75 % Eigenverbrauch.

Stufe 4: E-Auto + Wallbox — Mobilität elektrifizieren (Investition: 1.500–3.000 Euro für Wallbox)

Das E-Auto ist ein flexibler Verbraucher. Eine solaroptimierte Wallbox lädt tagsüber mit Überschussstrom. Im Sommer laden Sie fast kostenlos, im Winter nutzen Sie günstige Nachtstromtarife.

Ergebnis: 60–70 % Autarkie (Gesamtenergie inkl. Mobilität), 70–80 % Eigenverbrauch.

Stufe 5: Energiemanagement-System — Das Orchester dirigieren (Investition: 500–1.500 Euro)

Ein HEMS (Home Energy Management System) koordiniert alle Komponenten: PV-Anlage, Speicher, Wärmepumpe, Wallbox und Haushaltsgeräte. Es maximiert den Eigenverbrauch automatisch und kann den Autarkiegrad um weitere 5–10 Prozentpunkte steigern.

Achtung
Setzen Sie die Stufen möglichst in dieser Reihenfolge um. Wer zuerst die Wärmepumpe installiert und dann die PV-Anlage nachrüstet, zahlt in der Zwischenzeit hohe Stromkosten. Und wer einen Riesenspeicher kauft, ohne ausreichend PV-Leistung zu haben, bekommt den Speicher nicht voll.

Die Faustregel für den Sweet Spot:

  • PV-Leistung: 1,2–1,5 kWp pro MWh Jahresverbrauch (also 12–15 kWp bei 10.000 kWh)
  • Speicher: 1,0 kWh pro kWp PV-Leistung (also 12–15 kWh)
  • Ergebnis: 60–70 % Autarkie bei optimaler Wirtschaftlichkeit

Nutzen Sie unseren Solarrechner, um Ihren individuellen Autarkiegrad und die optimale Anlagengröße zu berechnen.

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