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PV-Anlage Wartung und Reinigung: Was wirklich nötig ist

Photovoltaik|7 Min. Lesezeit|Hausbilanz Redaktion|10. Februar 2026
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Wartungsbedarf einer PV-Anlage

Photovoltaikanlagen gehören zu den wartungsärmsten Energieerzeugern überhaupt. Ohne bewegliche Teile, ohne Verschleißmaterialien und mit einer Lebensdauer von über 25 Jahren benötigen sie vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Dennoch gibt es Komponenten, die regelmäßig überprüft werden sollten.

Solarmodule: Die Module selbst sind extrem robust. Sie bestehen aus gehärtetem Sicherheitsglas, das Hagel, Schnee und UV-Strahlung über Jahrzehnte standhält. Modulfehler treten selten auf — am häufigsten sind sogenannte Hotspots (lokale Überhitzung durch Zelldefekte) und Mikrorisse, die allerdings erst nach vielen Jahren relevant werden.

Wechselrichter: Der Wechselrichter ist die Komponente mit der höchsten Ausfallwahrscheinlichkeit. Die durchschnittliche Lebensdauer liegt bei 10–15 Jahren. Ein Wechselrichtertausch kostet 1.500–2.500 Euro und sollte in der Wirtschaftlichkeitsberechnung berücksichtigt werden.

Montagesystem und Verkabelung: Schraubverbindungen können sich durch thermische Ausdehnung und Windlasten über die Jahre lockern. Kabelverbindungen und Stecker (MC4) sollten auf Korrosion und festen Sitz geprüft werden.

Empfohlener Wartungsplan:

ZeitraumMaßnahmeSelbst oder Fachbetrieb?
MonatlichMonitoring prüfen (Ertragsüberwachung)Selbst
JährlichSichtprüfung der Module und KabelSelbst
Alle 2–3 JahreElektrische Prüfung (Thermografie, IV-Kennlinie)Fachbetrieb
Alle 4–5 JahreMechanische Prüfung (Montagesystem, Dachdurchführungen)Fachbetrieb
Nach 10–15 JahrenWechselrichter-Check oder -TauschFachbetrieb
Tipp
Die wichtigste Wartungsmaßnahme kostet nichts: Überwachen Sie regelmäßig die Erträge Ihrer Anlage über die App oder das Portal Ihres Wechselrichter-Herstellers. Ein plötzlicher Ertragseinbruch kann auf einen Defekt hindeuten — und je früher Sie ihn erkennen, desto weniger Ertrag geht verloren.

Monitoring als Frühwarnsystem: Moderne Wechselrichter überwachen jeden einzelnen String (Modulreihe) und melden Abweichungen automatisch per Push-Nachricht. Wenn ein String deutlich weniger liefert als die anderen, liegt wahrscheinlich ein Modulfehler, eine Verschattung oder ein Kabelproblem vor. Dieses digitale Monitoring ersetzt in vielen Fällen die teure Vor-Ort-Inspektion.

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Reinigung: Wann und wie?

Die Frage, ob Solarmodule gereinigt werden müssen, wird heiß diskutiert. Die kurze Antwort: In den meisten Fällen reinigt der Regen Ihre Module ausreichend. Es gibt jedoch Ausnahmen.

Wann Reinigung NICHT nötig ist: - Module mit Neigung ab 15° werden durch Regen gut gereinigt - In normalen Wohngebieten ohne besondere Verschmutzungsquellen - Bei unverschatteten Anlagen ohne Bäume in unmittelbarer Nähe

Wann Reinigung sinnvoll ist: - Flachdächer mit geringer Neigung (< 15°): Hier sammelt sich Schmutz an den unteren Modulkanten - Nähe zu Landwirtschaft: Staub, Pollen und Gülleaerosole bilden hartnäckige Ablagerungen - Vogelkot: Besonders unter Antennen, Sat-Schüsseln oder Bäumen - Baumharz und Laub: Klebrige Ablagerungen, die Regen nicht löst - Moos und Flechten: Vor allem an der Nordseite von Modulrahmen - Industriegebiete: Fetthaltige oder rußige Ablagerungen

Achtung
Reinigen Sie Module NIEMALS mit einem Hochdruckreiniger! Der hohe Wasserdruck kann die Glasoberfläche beschädigen, Dichtungen zerstören und Wasser in die Modulrahmen drücken. Verwenden Sie ausschließlich weiches Wasser (idealerweise entmineralisiert), einen weichen Schwamm oder eine Teleskopbürste — und keinesfalls aggressive Reinigungsmittel.

Ertragsverlust durch Verschmutzung: Studien zeigen, dass der Ertragsverlust durch normale Verschmutzung in Deutschland bei 2–5% pro Jahr liegt. In landwirtschaftlichen Gebieten kann er auf 5–8% steigen. Ob sich eine professionelle Reinigung lohnt, hängt also vom Einzelfall ab.

Selbst reinigen — so geht's: 1. Reinigen Sie morgens oder abends, wenn die Module kühl sind (Kaltglas + Warmwasser = Risiko für Mikrorisse) 2. Verwenden Sie weiches, kalkfreies Wasser (Regenwasser oder entmineralisiertes Wasser) 3. Nutzen Sie eine Teleskopstange mit weichem Mikrofaserbezug 4. Spülen Sie zunächst losen Schmutz mit Wasser ab, dann sanft wischen 5. Niemals auf die Module steigen — Bruch- und Absturzgefahr

Professionelle Reinigung: Spezialfirmen reinigen Solaranlagen mit osmosegereinigtem Wasser und rotierenden Bürsten auf Teleskopstangen. Die Kosten liegen bei 1,50–3,00 Euro pro Modul (ca. 40–75 Euro für eine 10-kWp-Anlage mit 25 Modulen).

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Kosten und Wirtschaftlichkeit der Wartung

Wie viel sollten Sie für Wartung und Reinigung Ihrer PV-Anlage ausgeben? Die Antwort hängt von der Größe der Anlage und den individuellen Gegebenheiten ab.

Jährliche Wartungskosten im Überblick:

MaßnahmeKosten/JahrHäufigkeitEffektiver Jahresbetrag
Monitoring (App/Portal)0 €Laufend0 €
Sichtprüfung (selbst)0 €Jährlich0 €
Fachbetrieb-Inspektion150–300 €Alle 3 Jahre50–100 €
Professionelle Reinigung50–100 €Alle 2–3 Jahre20–50 €
Versicherung (PV-Versicherung)50–100 €Jährlich50–100 €
Gesamt120–250 €/Jahr

Als Faustregel gelten Wartungskosten von ca. 1–1,5% der Investitionssumme pro Jahr. Bei einer 10-kWp-Anlage für 14.000 Euro sind das 140–210 Euro jährlich.

Lohnt sich ein Wartungsvertrag? Viele Installationsbetriebe bieten Wartungsverträge an, die regelmäßige Inspektionen, Thermografie-Checks und bei Bedarf Reinigung umfassen. Die Kosten liegen bei 150–350 Euro pro Jahr.

Ein Wartungsvertrag lohnt sich vor allem, wenn: - Sie die Anlage selbst nicht inspizieren können oder möchten - Das Dach schwer zugänglich ist - Die Anlage keine Monitoring-Funktion hat (ältere Wechselrichter) - Sie den steuerlichen Vorteil nutzen möchten (bei gewerblichen Anlagen absetzbar)

Info
Für die meisten privaten Anlagenbesitzer reicht eine Kombination aus digitalem Monitoring und einer Fachbetrieb-Inspektion alle 3–4 Jahre. Die jährliche Sichtprüfung — ein prüfender Blick vom Boden aus — können Sie selbst übernehmen. Das spart Kosten und gibt Ihnen trotzdem Sicherheit.

Der größte Kostenpunkt: Wechselrichtertausch Nicht die laufende Wartung, sondern der Wechselrichtertausch nach 10–15 Jahren ist der größte Einzelposten. Planen Sie hierfür 1.500–2.500 Euro ein. Moderne Hybrid-Wechselrichter mit Speicheranbindung kosten 2.000–3.500 Euro. Dieser Tausch ist aber auch eine Gelegenheit, auf neuere Technik umzusteigen — etwa einen Wechselrichter mit integrierter Speicheranbindung oder Smart-Home-Integration.

Gesamtkosten über 20 Jahre:

PostenKosten (20 Jahre)
Laufende Wartung & Reinigung2.000 – 4.000 €
Versicherung1.000 – 2.000 €
Wechselrichtertausch1.500 – 2.500 €
Ggf. Speichertausch3.000 – 5.000 €
Gesamt (ohne Speicher)4.500 – 8.500 €
Gesamt (mit Speicher)7.500 – 13.500 €

Diese Kosten sind bereits in der Wirtschaftlichkeitsberechnung unseres Solarrechners enthalten. Bei einer typischen Gesamtersparnis von 30.000–50.000 Euro über 20 Jahre machen die Wartungskosten einen überschaubaren Anteil aus. Die PV-Anlage bleibt eine der wartungsärmsten und wirtschaftlichsten Investitionen für Ihr Zuhause.

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