Modultechnologien im Überblick
Der Solarmodul-Markt hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Während monokristalline PERC-Zellen jahrelang der Standard waren, drängen 2026 neue Technologien auf den Markt, die höhere Wirkungsgrade und bessere Langzeitstabilität versprechen.
Polykristalline Module (Multi-Si): Diese einst günstige Technologie ist 2026 praktisch vom Markt verschwunden. Die bläulich schimmernden Module mit ihren sichtbaren Kristallstrukturen hatten Wirkungsgrade von nur 15–17% und konnten mit modernen Technologien nicht mehr konkurrieren. In neuen Installationen haben sie keine Relevanz mehr.
Monokristalline PERC (Passivated Emitter and Rear Cell): Bis 2024 die dominierende Technologie. Schwarze, gleichmäßige Zellen mit Wirkungsgraden von 20–22%. PERC-Module sind ausgereift, zuverlässig und günstig. Sie bilden 2026 das untere Preissegment und sind weiterhin eine solide Wahl für preisbewusste Käufer.
TOPCon (Tunnel Oxide Passivated Contact): Die aktuelle Mainstream-Technologie 2026. TOPCon-Zellen nutzen eine ultradünne Tunneloxid-Schicht für bessere Passivierung und erreichen Wirkungsgrade von 22–24%. Die Produktionskosten liegen nur marginal über PERC, weshalb TOPCon die PERC-Technologie zunehmend verdrängt.
HJT (Heterojunction Technology): Die Premium-Technologie. HJT-Zellen kombinieren kristallines Silizium mit amorphem Silizium und erreichen Wirkungsgrade von 23–25%. Ihr Vorteil: Exzellentes Schwachlichtverhalten, niedriger Temperaturkoeffizient und minimale Degradation. Nachteil: Noch spürbar teurer als TOPCon.
IBC (Interdigitated Back Contact): Die Königsklasse. Bei IBC-Zellen befinden sich alle Kontakte auf der Rückseite, was eine vollkommen gleichmäßige schwarze Oberfläche ergibt. Wirkungsgrade bis 25%. Hauptsächlich von SunPower/Maxeon und LONGi angeboten — zu Premium-Preisen.
Leistungsvergleich: Die Technologien in Zahlen
Ein direkter Zahlenvergleich zeigt die Stärken und Schwächen der verschiedenen Modultechnologien. Die folgende Tabelle basiert auf Durchschnittswerten führender Hersteller im Jahr 2026.
| Eigenschaft | PERC | TOPCon | HJT | IBC |
|---|---|---|---|---|
| Zellwirkungsgrad | 20–22% | 22–24% | 23–25% | 24–25% |
| Modulwirkungsgrad | 19–21% | 21–23% | 22–24% | 22–25% |
| Modulleistung (Standard) | 400–430 Wp | 430–470 Wp | 440–480 Wp | 400–440 Wp |
| Temperaturkoeffizient | -0,35%/°C | -0,30%/°C | -0,26%/°C | -0,29%/°C |
| Degradation 1. Jahr | 2,0% | 1,5% | 1,0% | 1,0% |
| Jährliche Degradation | 0,55% | 0,40% | 0,35% | 0,35% |
| Leistung nach 25 Jahren | 84,5% | 88,5% | 91,0% | 91,0% |
| Bifazialität | Nein | Ja (bis +10%) | Ja (bis +15%) | Optional |
| Preis/Wp (Endkunde) | 0,18–0,25 € | 0,22–0,30 € | 0,30–0,40 € | 0,45–0,65 € |
Was bedeutet der Temperaturkoeffizient? An heißen Sommertagen können Modultemperaturen von 60–70°C auftreten. Bei einem Temperaturkoeffizienten von -0,35%/°C (PERC) verliert ein Modul bei 65°C rund 14% seiner Nennleistung. Ein HJT-Modul verliert bei gleicher Temperatur nur 10,4%. Über ein ganzes Jahr summiert sich dieser Unterschied auf 2–4% Mehrertrag.
Bifazialität — der Bonus von der Rückseite: TOPCon- und HJT-Module können auch auf der Rückseite Licht aufnehmen (reflektiertes Licht vom Dach, Schnee oder hellen Flächen). In der Praxis bringt das auf Schrägdächern 2–5% Mehrertrag, auf Flachdächern mit heller Folie bis zu 10%.
Hersteller-Ranking 2026
Die Auswahl des richtigen Herstellers ist mindestens so wichtig wie die Wahl der Technologie. Zuverlässigkeit, Garantiebedingungen und die finanzielle Stabilität des Herstellers entscheiden darüber, ob Sie im Garantiefall auch wirklich Unterstützung erhalten.
Tier 1 — Premium-Segment:
| Hersteller | Technologie | Top-Modul 2026 | Wirkungsgrad | Produktgarantie | Leistungsgarantie |
|---|---|---|---|---|---|
| LONGi | TOPCon/HJT | Hi-MO 9 | 23,2% | 25 Jahre | 30 Jahre (87,4%) |
| JA Solar | TOPCon | DeepBlue 4.0 Pro | 22,8% | 25 Jahre | 30 Jahre (87,0%) |
| Trina Solar | TOPCon | Vertex S+ | 22,5% | 25 Jahre | 30 Jahre (86,8%) |
| Canadian Solar | HJT | HiHero | 23,5% | 25 Jahre | 30 Jahre (88,0%) |
| REC Group | HJT | Alpha Pure-R | 23,0% | 25 Jahre | 25 Jahre (92,0%) |
| Meyer Burger | HJT | Glass | 22,0% | 30 Jahre | 30 Jahre (90,5%) |
Tier 2 — Solides Mittelfeld: Jinko Solar, Astronergy, Risen Energy und QCells bieten ebenfalls hochwertige Module zu wettbewerbsfähigen Preisen. Diese Hersteller dominieren oft das Preis-Leistungs-Segment und sind eine gute Wahl für budgetbewusste Käufer.
Europäische Fertigung: Meyer Burger (Schweiz/Deutschland) ist der einzige verbleibende große europäische Zellhersteller. Wer Wert auf "Made in Europe" legt, zahlt einen Aufpreis von ca. 15–25%, erhält dafür aber kürzere Lieferwege und Unterstützung der europäischen Solarindustrie.
Worauf achten beim Modulkauf?
Die Auswahl an Solarmodulen ist überwältigend. Damit Sie die richtige Entscheidung treffen, haben wir die wichtigsten Kriterien zusammengestellt.
1. Wirkungsgrad vs. Preis-Leistung Ein höherer Wirkungsgrad bedeutet mehr Leistung pro Quadratmeter Dachfläche. Das ist entscheidend, wenn Ihre Dachfläche begrenzt ist. Haben Sie dagegen ausreichend Platz, können günstigere Module mit etwas niedrigerem Wirkungsgrad die wirtschaftlichere Wahl sein.
Faustregel: Multiplizieren Sie die verfügbare Dachfläche mit dem Wirkungsgrad. Wenn Sie mit günstigen PERC-Modulen Ihre gewünschte Anlagenleistung erreichen, gibt es keinen Grund für teurere Module.
2. Garantiebedingungen im Detail Achten Sie auf den Unterschied zwischen Produktgarantie und Leistungsgarantie: - Produktgarantie: Deckt Defekte und Materialfehler ab (Standard: 12–25 Jahre) - Leistungsgarantie: Garantiert eine Mindestleistung nach X Jahren (Standard: 25–30 Jahre, 80–87%)
3. Temperaturkoeffizient In Deutschland sind heiße Sommer keine Seltenheit mehr. Module mit niedrigem Temperaturkoeffizienten (HJT, IBC) liefern an heißen Tagen spürbar mehr Strom. Dieser Faktor wird bei der Kaufentscheidung oft unterschätzt.
4. Kompatibilität mit Wechselrichter Nicht jedes Modul harmoniert optimal mit jedem Wechselrichter. Moderne Optimierer und Mikrowechselrichter mildern dieses Problem, aber es lohnt sich, die Empfehlungen des Wechselrichter-Herstellers zu beachten.
5. Optik und Ästhetik Für viele Hausbesitzer spielt die Optik eine Rolle. Vollschwarze Module (schwarzer Rahmen, schwarze Rückfolie) sehen eleganter aus als Module mit silbernem Rahmen. IBC-Module bieten die gleichmäßigste Oberfläche, da keine sichtbaren Kontaktfinger vorhanden sind.
Zukunft der Modultechnik: Was kommt nach TOPCon?
Die Solarindustrie entwickelt sich in hohem Tempo weiter. Mehrere Technologien stehen in den Startlöchern, die in den kommenden Jahren die Modullandschaft verändern werden.
Perowskit-Tandemzellen: Die vielversprechendste Zukunftstechnologie. Perowskit-Tandemzellen kombinieren eine Perowskit-Schicht mit einer Silizium-Zelle und können theoretisch Wirkungsgrade über 30% erreichen. Oxford PV hat bereits Module mit 27% Wirkungsgrad im Labor demonstriert. Die Marktreife wird für 2027–2028 erwartet.
Die Herausforderung: Perowskit-Materialien sind noch nicht langzeitstabil genug für den Außeneinsatz. Die Degradation muss auf das Niveau von Silizium-Modulen gesenkt werden — und das bei 25+ Jahren Lebensdauer.
TOPCon 2.0 — BC-TOPCon: Eine Weiterentwicklung der TOPCon-Technologie, bei der die Kontakte auf die Rückseite verlagert werden (ähnlich IBC). Diese Kombination verspricht Wirkungsgrade von 25–26% bei nur geringfügig höheren Kosten als aktuelle TOPCon-Module. LONGi und JA Solar haben bereits Prototypen vorgestellt.
Größere Wafer und Module: Der Trend zu größeren Wafern (182mm → 210mm → 230mm) setzt sich fort. Größere Wafer bedeuten weniger Zellen pro Modul, weniger Verschaltungsaufwand und niedrigere Produktionskosten. Module mit über 600 Wp werden ab 2027 Standard im Gewerbesegment.
Unsere Einschätzung für 2026: TOPCon ist der neue Standard und wird es für die nächsten 2–3 Jahre bleiben. HJT bietet Premium-Performance zu einem vertretbaren Aufpreis. Wer jetzt eine PV-Anlage installiert, macht mit beiden Technologien nichts falsch. Die Module werden über 25 Jahre zuverlässig Strom produzieren — unabhängig davon, welche neuen Technologien in dieser Zeit auf den Markt kommen.
Die Solarindustrie folgt einem ähnlichen Muster wie die Computerindustrie: Es wird immer etwas Besseres geben. Wer immer auf die nächste Generation wartet, installiert nie. Die beste Zeit für Solar ist jetzt.
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