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Solaranlage mieten oder kaufen? Ehrlicher Vergleich 2026

Photovoltaik|11 Min. Lesezeit|Hausbilanz Redaktion|6. Februar 2026
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Das Mietmodell: Wie funktioniert Solar-Miete?

Beim Mietmodell (auch Pacht- oder Leasingmodell genannt) installiert ein Anbieter eine Solaranlage auf Ihrem Dach, und Sie zahlen dafür eine monatliche Miete. Die Anlage bleibt Eigentum des Anbieters — Sie nutzen aber den erzeugten Strom.

So funktioniert es im Detail:

1. Der Anbieter plant und installiert die Solaranlage auf Ihrem Dach 2. Sie zahlen eine monatliche Miete (typisch: 80–200 Euro/Monat) 3. Den erzeugten Solarstrom verbrauchen Sie selbst oder speisen ihn ein 4. Wartung, Reparaturen und Versicherung sind in der Miete enthalten 5. Nach Vertragsende (meist 20 Jahre) können Sie die Anlage übernehmen oder abbauen lassen

Typische Konditionen der großen Anbieter (2026):

AnlagengrößeMonatliche MieteVertragslaufzeitGesamtkosten über Laufzeit
6 kWp ohne Speicher80 – 110 €/Monat20 Jahre19.200 – 26.400 €
10 kWp ohne Speicher110 – 150 €/Monat20 Jahre26.400 – 36.000 €
10 kWp mit 10 kWh Speicher160 – 220 €/Monat20 Jahre38.400 – 52.800 €
Achtung
Rechnen Sie immer die Gesamtkosten über die volle Vertragslaufzeit aus. Die monatliche Rate klingt harmlos — aber über 20 Jahre summiert sich eine Miete von 150 Euro/Monat auf 36.000 Euro. Eine vergleichbare Anlage kostet beim Kauf nur 12.000–15.000 Euro.

Bekannte Anbieter für Solar-Miete:

Die bekanntesten Anbieter in Deutschland sind Enpal, DZ4 und Yello Solar. Die Modelle unterscheiden sich in Details, aber das Grundprinzip ist ähnlich: Sie mieten die Anlage, der Anbieter bleibt Eigentümer und übernimmt Wartung und Versicherung.

Einige Anbieter bieten zusätzlich einen Stromvertrag an, bei dem Sie überschüssigen Solarstrom an den Anbieter verkaufen und bei Bedarf Reststrom vom Anbieter beziehen. Achten Sie hier genau auf die Konditionen — die Einspeisevergütung und der Reststrompreis sind oft ungünstiger als marktüblich.

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Das Kaufmodell: Solaranlage als Eigentum

Beim Kaufmodell erwerben Sie die Solaranlage direkt. Sie ist Ihr Eigentum, Sie erhalten die gesamte Einspeisevergütung und sind für Wartung und Versicherung selbst verantwortlich.

Finanzierungsoptionen beim Kauf:

1. Eigenkapital (beste Option): - Keine Zinsen, kein Kreditrisiko - Volle Rendite ab Tag 1 - Amortisation in 7–10 Jahren - Für Anlagen von 12.000–25.000 Euro brauchen Sie entsprechende Rücklagen

2. KfW-Kredit (KfW 270): - Zinssatz ab 3,5% effektiv - Laufzeit bis 20 Jahre - Tilgungsfreie Anlaufjahre möglich - Antrag vor Auftragserteilung stellen - Die monatliche Rate ist in der Regel niedriger als die Stromersparnis

3. Bankkredit / Ratenfinanzierung: - Viele Installateure bieten Finanzierung über Partnerbanken - Zinssätze typisch: 3–6% - Laufzeit 10–15 Jahre - Schnellere Bearbeitung als KfW

Kostenvergleich: Kauf vs. Kredit (10 kWp mit 10 kWh Speicher):

FinanzierungInvestitionZinsen (20 J.)Gesamtkosten
Eigenkapital20.000 €0 €20.000 €
KfW-Kredit (3,5%)20.000 €ca. 7.500 €ca. 27.500 €
Bankkredit (5%)20.000 €ca. 11.000 €ca. 31.000 €
Tipp
Selbst mit einem Bankkredit zu 5% Zinsen zahlen Sie über 20 Jahre nur 31.000 Euro — deutlich weniger als die typischen 38.000–53.000 Euro Gesamtmiete für eine vergleichbare Anlage. Die Kreditfinanzierung schließt die Lücke zwischen Miete und Kauf fast vollständig.

Vorteile des Kaufmodells:

  • Volle Einspeisevergütung: Sie erhalten die gesamte EEG-Vergütung für 20 Jahre
  • Wertsteigerung: Die Anlage erhöht den Wert Ihrer Immobilie
  • Freie Komponentenwahl: Sie bestimmen Module, Wechselrichter und Speicher
  • Keine vertragliche Bindung: Kein 20-Jahres-Mietvertrag, der den Hausverkauf erschwert
  • Geringere Gesamtkosten: In fast allen Fällen die wirtschaftlich bessere Option
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Mieten vs. Kaufen: Der große Vergleich

Hier der direkte Vergleich beider Modelle anhand der wichtigsten Kriterien:

Finanzieller Vergleich (10 kWp + 10 kWh Speicher, 20 Jahre):

KriteriumKauf (Eigenkapital)Kauf (KfW-Kredit)Miete
Anfangsinvestition20.000 €0 € (Kredit)0 €
Monatliche Kosten0 € + Wartungca. 130 €/Monat180 €/Monat
Gesamtkosten (20 J.)ca. 28.000 € *ca. 35.500 € *ca. 43.200 €
Stromersparnis (20 J.)ca. 55.000 €ca. 55.000 €ca. 45.000 € **
Netto-Gewinn (20 J.)ca. 27.000 €ca. 19.500 €ca. 1.800 €
Anlage nach 20 J.IhreIhreRückgabe oder Kauf

* inkl. Wartung, Versicherung, Wechselrichter-/Speichertausch ** Mietanbieter bieten oft niedrigere Einspeisevergütung weiter

Nicht-finanzielle Kriterien:

KriteriumKaufMiete
EigentumsrechtIhre AnlageAnlage des Anbieters
Wartung & ReparaturSelbst organisierenIm Preis enthalten
KomponentenwahlFreie WahlVom Anbieter vorgegeben
FlexibilitätHoch (Erweiterung, Verkauf)Eingeschränkt (Vertragsbindung)
HausverkaufEinfach (Anlage gehört zum Haus)Kompliziert (Mietvertrag übertragen)
Risiko bei DefektIhr Risiko (aber versicherbar)Anbieter-Risiko
Administrativer AufwandHöher (Angebote, Anmeldung)Geringer (Anbieter macht alles)
BürokratieNetzbetreiber, MaStR selbstAnbieter übernimmt
Info
Der einzige echte Vorteil der Miete ist die Bequemlichkeit: Der Anbieter übernimmt Planung, Installation, Wartung und Bürokratie. Finanziell ist der Kauf in praktisch jedem Szenario überlegen — selbst bei Kreditfinanzierung.

Das Kleingedruckte der Mietverträge:

Achten Sie bei Mietverträgen besonders auf:

  • Preisanpassungsklauseln: Manche Verträge erlauben jährliche Mieterhöhungen von 1–2%
  • Versicherungspflichten: Oft müssen Sie als Mieter die Gebäudeversicherung anpassen
  • Kündigungsfristen: Vorzeitige Kündigung ist meist nicht oder nur gegen hohe Ablöse möglich
  • Rückbaukosten: Am Vertragsende können Rückbaukosten von 2.000–5.000 Euro anfallen
  • Dachnutzungsrechte: Der Anbieter hat ein Nutzungsrecht an Ihrem Dach — das kann beim Hausverkauf problematisch sein
  • Stromliefervertrag: Einige Modelle binden Sie auch an einen Stromvertrag des Anbieters
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Wann lohnt sich die Miete trotzdem?

Trotz der finanziellen Nachteile gibt es Situationen, in denen das Mietmodell die richtige Wahl sein kann. Seien Sie ehrlich zu sich selbst, ob einer dieser Punkte auf Sie zutrifft:

Situation 1: Kein Eigenkapital und kein Kredit möglich Wenn Sie weder 15.000–25.000 Euro Rücklagen haben noch einen Kredit aufnehmen können oder wollen, ermöglicht die Miete den sofortigen Einstieg in die Solarenergie. Bedenken Sie aber: Selbst ein Bankkredit mit 5% Zinsen ist günstiger als Miete.

Situation 2: Sehr hoher Wert auf Sorglosigkeit Wenn Sie keinerlei Aufwand mit der Anlage haben möchten — weder Angebote vergleichen, noch Wartung organisieren, noch Papierkram erledigen — dann bietet das Mietmodell ein Rundum-Sorglos-Paket. Allerdings: Der Aufwand für einen Kauf ist überschaubar und auf wenige Wochen begrenzt.

Situation 3: Unsichere Wohnsituation Wenn Sie Ihr Haus möglicherweise in wenigen Jahren verkaufen, kann die Miete sinnvoll sein — vorausgesetzt, der Mietvertrag ist auf den Käufer übertragbar. Allerdings: Auch eine gekaufte Anlage steigert den Hauswert und macht den Verkauf attraktiver.

Situation 4: Vermieter von Mehrfamilienhäusern Für Vermieter kann das Mietmodell interessant sein, wenn die Solaranlage als Nebenkosten-Reduktion für die Mieter dient, ohne die eigene Liquidität zu belasten. Hier sind die steuerlichen Aspekte komplexer.

Achtung
Lassen Sie sich von Mietanbietern nicht mit Argumenten wie „kein Risiko" oder „100% sorgenfrei" überzeugen. Das Risiko eines Defekts bei einer gekauften Anlage ist durch die Herstellergarantie (25–30 Jahre auf Module, 10–15 Jahre auf Wechselrichter) und eine Photovoltaik-Versicherung (50–100 €/Jahr) problemlos abgedeckt. Ein echtes Risiko besteht bei einer gekauften Anlage faktisch nicht.

Die Rechnung, die Mietanbieter nicht zeigen:

Viele Anbieter bewerben die Miete mit Slogans wie „Solarstrom ab 0 Euro" oder „Sparen ab dem ersten Tag". Das stimmt formal — aber verschweigt, dass Sie mit einem Kauf deutlich mehr sparen würden.

Beispielrechnung eines typischen Mietangebots: - Monatliche Miete: 180 Euro - Monatliche Stromersparnis durch Solar: 210 Euro - Monatliche Netto-Ersparnis: 30 Euro

Beim Kauf derselben Anlage: - Monatliche Kreditrate (KfW): 130 Euro - Monatliche Stromersparnis durch Solar: 210 Euro - Monatliche Netto-Ersparnis: 80 Euro

Der Unterschied: 50 Euro pro Monat oder 12.000 Euro über 20 Jahre. Nach Kreditende sparen Sie sogar die vollen 210 Euro monatlich — beim Mietmodell zahlen Sie bis zum Vertragsende weiter 180 Euro.

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Unsere Empfehlung: So entscheiden Sie richtig

Nach der ehrlichen Analyse beider Modelle ist unser Fazit klar: Für die allermeisten Eigenheimbesitzer ist der Kauf die bessere Wahl. Die Miete ist nur in wenigen Ausnahmefällen sinnvoll.

Unsere Empfehlung in 3 Schritten:

Schritt 1: Berechnen Sie Ihre individuelle Situation Nutzen Sie unseren Solarrechner, um die optimale Anlagengröße und die erwartete Rendite für Ihr Haus zu berechnen. So haben Sie eine solide Basis für die Entscheidung.

Schritt 2: Holen Sie Kaufangebote ein Bevor Sie ein Mietangebot unterschreiben, holen Sie mindestens 3 Kaufangebote von lokalen Installateuren ein. Vergleichen Sie die Gesamtkosten über 20 Jahre — nicht nur die Anfangsinvestition.

Schritt 3: Prüfen Sie die Finanzierung Wenn Eigenkapital fehlt: Prüfen Sie KfW-Kredite und Bankkredite. In den meisten Fällen ist die Kreditfinanzierung günstiger als die Miete, und nach der Tilgung gehört die Anlage Ihnen.

Entscheidungsmatrix:

Ihre SituationEmpfehlung
Eigenkapital vorhandenKaufen (Eigenfinanzierung)
Kein Eigenkapital, Kreditwürdigkeit gutKaufen (KfW-Kredit)
Kein Eigenkapital, kein Kredit möglichMieten (einziges sinnvolles Szenario)
Kein Interesse an Aufwand/PapierkramKaufen mit Full-Service-Installateur
Hausverkauf in <5 Jahren geplantKaufen (steigert Hauswert)
Mietobjekt mit MieterstromEinzelfallprüfung (ggf. Miete)
Tipp
Eine gekaufte Solaranlage ist eine der besten Investitionen, die Sie als Hausbesitzer tätigen können: 8–12% Rendite, praktisch kein Risiko, staatlich gefördert und inflationsgeschützt. Lassen Sie sich diesen Vorteil nicht durch ein überteuerte Mietmodell nehmen.

Abschließender Hinweis: Wir haben kein wirtschaftliches Interesse daran, ob Sie mieten oder kaufen. Hausbilanz ist ein unabhängiger Solarrechner — wir verkaufen keine Anlagen und vermitteln keine Mietverträge. Unsere Analyse basiert ausschließlich auf den Zahlen. Und die sprechen in über 90% der Fälle eindeutig für den Kauf.

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