Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe?
Eine der häufigsten Fragen vor dem Heizungstausch lautet: Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe wirklich? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab — Gebäudezustand, Wärmepumpen-Typ, Vorlauftemperatur und Nutzerverhalten spielen alle eine Rolle.
Als Faustregel gilt: Eine Wärmepumpe in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus (120–150 m²) verbraucht 3.500 bis 6.500 kWh Strom pro Jahr für Heizung und Warmwasser. Das entspricht bei einem Strompreis von 0,30 €/kWh jährlichen Stromkosten von 1.050 bis 1.950 Euro.
Der Stromverbrauch lässt sich mit einer einfachen Formel überschlagen:
Stromverbrauch (kWh) = Heizwärmebedarf (kWh) / Jahresarbeitszahl (JAZ)
Ein Einfamilienhaus mit 16.000 kWh Wärmebedarf und einer Wärmepumpe mit JAZ 3,5 kommt auf einen Stromverbrauch von rund 4.570 kWh pro Jahr. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Haushaltsstromverbrauch einer vierköpfigen Familie liegt bei etwa 4.000 kWh — die Wärmepumpe verdoppelt also annähernd den Gesamtstromverbrauch.
Entscheidend ist, dass die Wärmepumpe zwar Strom verbraucht, aber pro eingesetzter Kilowattstunde Strom das Drei- bis Fünffache an Wärme erzeugt. Das macht sie trotz Stromkosten deutlich effizienter als jede direkte Stromheizung und in den meisten Fällen auch wirtschaftlicher als Gas oder Öl.
COP und JAZ erklärt
Um den Stromverbrauch einer Wärmepumpe zu verstehen, muss man zwei Kennzahlen kennen: den COP und die JAZ. Beide beschreiben die Effizienz, aber auf unterschiedliche Weise.
COP (Coefficient of Performance): Der COP ist ein Momentanwert, der unter genormten Laborbedingungen gemessen wird. Er gibt an, wie viel Wärme die Wärmepumpe bei einer bestimmten Quell- und Vorlauftemperatur pro Kilowattstunde Strom erzeugt. Ein COP von 4,0 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4 kWh Wärme. Der COP wird typischerweise bei standardisierten Betriebspunkten angegeben, z. B. A2/W35 (Außenluft 2°C, Vorlauf 35°C).
JAZ (Jahresarbeitszahl): Die JAZ ist der Praxiswert über ein ganzes Jahr. Sie berücksichtigt schwankende Außentemperaturen, Abtauzyklen, Warmwasserbereitung und Standby-Verluste. Die JAZ liegt daher immer unter dem besten COP-Wert und ist die relevantere Kennzahl für die Berechnung der tatsächlichen Stromkosten.
Typische Werte im Vergleich:
| Kennzahl | Luft-Wasser | Sole-Wasser | Wasser-Wasser |
|---|---|---|---|
| COP (A2/W35 bzw. B0/W35) | 3,5 – 4,5 | 4,2 – 5,0 | 5,0 – 6,0 |
| JAZ (Praxis, Neubau) | 3,0 – 3,8 | 3,8 – 4,5 | 4,5 – 5,5 |
| JAZ (Praxis, Altbau) | 2,5 – 3,2 | 3,2 – 4,0 | 3,8 – 4,8 |
Die JAZ wird auch für die Berechnung der BEG-Förderung herangezogen: Um den Effizienzbonus zu erhalten, muss die rechnerische JAZ bestimmte Mindestwerte erreichen. Für Luft-Wasser-Wärmepumpen liegt dieser Wert aktuell bei einer JAZ von mindestens 2,7.
Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die JAZ verschlechtert sich mit steigender Vorlauftemperatur. Pro 5°C höherer Vorlauftemperatur sinkt die JAZ um etwa 0,3 bis 0,5 Punkte. Deshalb ist die Absenkung der Vorlauftemperatur die effektivste Maßnahme zur Senkung des Stromverbrauchs.
Stromverbrauch nach Wärmepumpen-Typ
Der Stromverbrauch variiert erheblich je nach Wärmepumpen-Typ, Gebäudezustand und Heizwärmebedarf. Die folgende Tabelle zeigt realistische Jahresverbräuche für ein typisches Einfamilienhaus mit 120 m² Wohnfläche.
Stromverbrauch nach Wärmepumpen-Typ (120 m² Einfamilienhaus):
| WP-Typ | Heizwärmebedarf | JAZ | Stromverbrauch | Stromkosten/Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Luft-WP, gut gedämmt | 10.000 kWh | 3,5 | 2.860 kWh | 858 € |
| Luft-WP, teilsaniert | 16.000 kWh | 3,0 | 5.330 kWh | 1.600 € |
| Luft-WP, unsaniert | 22.000 kWh | 2,5 | 8.800 kWh | 2.640 € |
| Sole-WP, gut gedämmt | 10.000 kWh | 4,2 | 2.380 kWh | 714 € |
| Sole-WP, teilsaniert | 16.000 kWh | 3,8 | 4.210 kWh | 1.263 € |
| Sole-WP, unsaniert | 22.000 kWh | 3,2 | 6.875 kWh | 2.063 € |
*Berechnung bei 0,30 €/kWh Wärmepumpenstrom (Stand 2026). Inkl. Warmwasserbereitung.*
Die Tabelle zeigt deutlich: Der Gebäudezustand hat einen mindestens ebenso großen Einfluss wie der Wärmepumpen-Typ. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem gut gedämmten Haus verbraucht weniger als eine Sole-Wasser-Wärmepumpe in einem unsanierten Altbau.
Stromverbrauch nur für Warmwasser: Die Warmwasserbereitung macht etwa 15–20% des Gesamtstromverbrauchs einer Wärmepumpe aus. Für einen 4-Personen-Haushalt sind das rund 600–1.000 kWh Strom pro Jahr. Bei höherer Warmwassertemperatur (60°C statt 48°C wegen Legionellenschutz) steigt dieser Anteil entsprechend.
Verbrauch im Monatsverlauf (Luft-WP, 16.000 kWh Wärmebedarf):
| Monat | Anteil am Jahresverbrauch | ca. kWh |
|---|---|---|
| Januar | 16% | 850 |
| Februar | 14% | 745 |
| März | 11% | 585 |
| April | 7% | 375 |
| Mai | 3% | 160 |
| Juni – August | je 2% | je 105 |
| September | 3% | 160 |
| Oktober | 8% | 425 |
| November | 12% | 640 |
| Dezember | 15% | 800 |
Stromverbrauch der Wärmepumpe senken
Es gibt zahlreiche Maßnahmen, um den Stromverbrauch Ihrer Wärmepumpe zu reduzieren — von einfachen Einstellungsänderungen bis hin zu baulichen Investitionen. Hier die effektivsten Maßnahmen im Überblick:
1. Vorlauftemperatur absenken (Ersparnis: 10–20%) Die wirkungsvollste Einzelmaßnahme. Pro 5°C niedrigerer Vorlauftemperatur sinkt der Stromverbrauch um 8–12%. Prüfen Sie, ob Ihre Heizkörper auch bei niedrigerer Vorlauftemperatur noch ausreichend Wärme liefern. Oft kann die Vorlauftemperatur um 3–5°C gesenkt werden, ohne dass der Komfort leidet.
2. Hydraulischen Abgleich durchführen (Ersparnis: 5–15%) Ein hydraulischer Abgleich stellt sicher, dass alle Heizkörper gleichmäßig mit Wärme versorgt werden. Ohne Abgleich läuft die Wärmepumpe mit unnötig hoher Vorlauftemperatur, um auch die ungünstigsten Heizkörper zu versorgen. Kosten: 500–1.000 €, oft über die BEG mitgefördert.
3. Photovoltaikanlage installieren (Ersparnis: 25–40%) Eine PV-Anlage kann 25–40% des Wärmepumpen-Stroms direkt aus Eigenproduktion decken. Mit einem Batteriespeicher steigt der Eigenverbrauchsanteil auf 40–55%. Bei einem WP-Verbrauch von 5.000 kWh und 30% Eigenverbrauch sparen Sie rund 450 €/Jahr.
4. Nachtabsenkung und intelligente Steuerung (Ersparnis: 5–10%) Moderne Wärmepumpen können die Heizleistung nachts und bei Abwesenheit reduzieren. Noch effektiver: Eine wetterprognosebasierte Steuerung, die günstige Außentemperaturen nutzt und das Haus gezielt vorwärmt, wenn es mild ist.
5. Gebäude dämmen (Ersparnis: 15–40%) Langfristig die nachhaltigste Maßnahme. Bereits eine Dachdämmung und der Austausch alter Fenster können den Heizwärmebedarf um 30–40% senken. Damit sinkt nicht nur der Stromverbrauch, sondern auch die nötige Vorlauftemperatur — ein doppelter Effekt.
6. Warmwassertemperatur optimieren Eine Absenkung der Warmwassertemperatur von 55°C auf 48°C reduziert den Stromverbrauch für Warmwasser um bis zu 20%. Achten Sie dabei auf den Legionellenschutz: Einmal wöchentlich sollte der Speicher auf 60°C aufgeheizt werden.
7. Wärmepumpe regelmäßig warten lassen Eine jährliche Wartung (150–250 €) stellt sicher, dass der Kältekreislauf optimal arbeitet, Filter sauber sind und die Steuerung richtig eingestellt ist. Ein verschmutzter Verdampfer kann den COP um 0,3–0,5 Punkte verschlechtern.
Stromtarife für Wärmepumpen
Wärmepumpenbesitzer können von speziellen Stromtarifen profitieren, die deutlich günstiger sind als der normale Haushaltsstrom. Das kann die jährlichen Heizkosten um 200–500 Euro senken.
Wärmepumpenstrom vs. Haushaltsstrom (Stand 2026):
| Tarifart | Preis/kWh | Jahreskosten (5.000 kWh) |
|---|---|---|
| Haushaltsstrom (Durchschnitt) | 0,36 €/kWh | 1.800 € |
| Wärmepumpenstrom (separater Zähler) | 0,27 – 0,31 €/kWh | 1.350 – 1.550 € |
| Dynamischer Tarif + Smart Grid | 0,20 – 0,35 €/kWh | 1.100 – 1.500 € |
| PV-Eigenverbrauch | ~0,08 €/kWh* | 400 € |
*Gestehungskosten eigener PV-Strom (keine Netzentgelte/Steuern).*
Separater Stromzähler — lohnt sich das? Für Wärmepumpenstromtarife benötigen Sie einen separaten Stromzähler (oder einen Zweitarifzähler). Die Kosten für den Zählereinbau betragen 200–500 €, die Grundgebühr ca. 60–100 €/Jahr. Die Ersparnis durch den günstigeren Tarif übersteigt diese Kosten ab einem Verbrauch von ca. 3.000 kWh/Jahr deutlich.
Sperrzeiten beachten: Wärmepumpenstromtarife erlauben dem Netzbetreiber, die Wärmepumpe zu bestimmten Zeiten abzuschalten (sogenannte EVU-Sperre), typischerweise 3 × 2 Stunden pro Tag. Das ist in der Praxis kaum spürbar, weil der Pufferspeicher die Sperrzeit überbrückt. Allerdings muss die Wärmepumpe nach der Sperre etwas mehr leisten, was den COP kurzzeitig senken kann.
Dynamische Stromtarife — die Zukunft: Mit einem Smart Meter Gateway und einem dynamischen Stromtarif können Sie Ihre Wärmepumpe gezielt dann betreiben, wenn der Börsenstrompreis niedrig ist (z. B. bei viel Wind- und Solarstrom). Moderne Wärmepumpen mit SG-Ready-Schnittstelle können dafür automatisch gesteuert werden. Die Ersparnis gegenüber einem festen Tarif liegt bei 10–20%.
Kombination PV + Wärmepumpenstrom: Die optimale Strategie: Tagsüber versorgt die PV-Anlage die Wärmepumpe mit kostenlosem Eigenstrom. Abends und nachts greift der günstige Wärmepumpenstromtarif. So zahlen Sie zu keinem Zeitpunkt den vollen Haushaltsstrompreis.
Nutzen Sie unseren Wärmepumpen-Rechner, um Ihren individuellen Stromverbrauch und die optimale Tarifkonstellation zu berechnen.
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