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Photovoltaik

Wallbox mit Solarstrom laden: So maximieren Sie den Eigenverbrauch

Photovoltaik|10 Min. Lesezeit|Hausbilanz Redaktion|7. Februar 2026
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Warum Solar + E-Auto die perfekte Kombination ist

Ein Elektroauto verbraucht pro Jahr typischerweise 2.000 bis 4.000 kWh Strom (bei 10.000 bis 20.000 km Fahrleistung). Bei einem Strompreis von 38 ct/kWh sind das 760 bis 1.520 Euro Stromkosten pro Jahr. Mit einer eigenen Solaranlage können Sie einen Großteil davon einsparen — und Ihr E-Auto mit kostenlosem Solarstrom laden.

Die Rechnung im Überblick:

LadequelleKosten pro kWhKosten pro 100 km *Kosten pro Jahr **
Haushaltsstrom (Netz)38 ct7,60 €1.140 €
Öffentliche Ladesäule45–60 ct9,00 – 12,00 €1.350 – 1.800 €
Eigener Solarstrom0 ct ***0 €0 €
Solarstrom (Gestehungskosten)8–12 ct1,60 – 2,40 €240 – 360 €

* Bei 20 kWh/100 km Verbrauch Bei 15.000 km/Jahr * Grenzkosten nach Amortisation der Anlage

Die Kombination aus Solaranlage und E-Auto steigert den Eigenverbrauchsanteil Ihrer PV-Anlage deutlich. Ohne E-Auto liegt der Eigenverbrauch typischerweise bei 25–35% (ohne Speicher). Mit einem E-Auto steigt er auf 40–55% — weil das Auto tagsüber einen großen Teil des Solarstrom-Überschusses aufnehmen kann.

Tipp
Ein Elektroauto ist quasi ein rollender Batteriespeicher mit 40–80 kWh Kapazität. Im Vergleich zu einem stationären Hausspeicher (5–15 kWh für 3.000–10.000 Euro) ist das Auto als "Speicher" deutlich günstiger — vorausgesetzt, es steht tagsüber zu Hause und kann geladen werden.

Typisches Szenario: Familie mit 10-kWp-Anlage und E-Auto:

  • PV-Produktion: 10.000 kWh/Jahr
  • Hausverbrauch: 4.500 kWh/Jahr
  • E-Auto-Verbrauch: 3.000 kWh/Jahr (15.000 km)
  • Gesamtverbrauch: 7.500 kWh/Jahr
  • Eigenverbrauch (mit Überschussladen): ca. 55% = 5.500 kWh
  • Einspeisung: ca. 4.500 kWh
  • Jährliche Ersparnis: 5.500 kWh x 38 ct + 4.500 kWh x 8,2 ct = 2.459 Euro

Zum Vergleich: Ohne E-Auto wäre die Ersparnis nur ca. 1.714 Euro. Das E-Auto bringt also rund 745 Euro zusätzliche Ersparnis pro Jahr.

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PV-Überschussladen: So funktioniert es technisch

PV-Überschussladen bedeutet, dass die Wallbox nur dann und nur so viel lädt, wie gerade Solarstrom-Überschuss vorhanden ist. Statt mit voller Leistung zu laden (und dabei teuren Netzstrom zu ziehen), passt die Wallbox ihre Ladeleistung dynamisch an die aktuelle PV-Produktion an.

So funktioniert es:

1. Ihre PV-Anlage erzeugt z.B. 6 kW Solarstrom 2. Ihr Haushalt verbraucht gerade 1,5 kW 3. Es bleiben 4,5 kW Überschuss 4. Die Wallbox erkennt den Überschuss und lädt das E-Auto mit 4,5 kW 5. Zieht eine Wolke auf und die PV-Produktion sinkt auf 3 kW, reduziert die Wallbox die Ladeleistung auf 1,5 kW 6. Scheint die Sonne wieder stärker, erhöht die Wallbox die Ladeleistung entsprechend

Technische Voraussetzungen:

  • Wallbox mit dynamischer Leistungsanpassung: Nicht jede Wallbox kann das — sie muss OCPP-fähig sein oder ein proprietäres Protokoll des Wechselrichter-Herstellers unterstützen
  • Energiemanagement-System (EMS): Vermittelt zwischen Wechselrichter und Wallbox
  • Smartmeter / Energiezähler: Misst den Energiefluss am Hausanschluss in Echtzeit
  • Stabile WLAN- oder LAN-Verbindung: Für die Kommunikation zwischen den Komponenten
Info
Die Mindest-Ladeleistung bei 1-phasigem Laden beträgt 1,4 kW (6A x 230V). Bei 3-phasigem Laden sogar 4,1 kW (6A x 230V x 3). Das bedeutet: Wenn der PV-Überschuss unter 1,4 kW fällt, muss die Wallbox entweder den fehlenden Strom aus dem Netz ziehen oder das Laden pausieren. Gute Wallboxen bieten einen „Phasenschaltung"-Modus, der automatisch zwischen 1- und 3-phasigem Laden wechselt, um die Mindestleistung zu reduzieren.

Die drei Lademodi erklärt:

1. Reines Überschussladen (Max-PV-Modus): Das Auto wird ausschließlich mit Solarstrom geladen. Kein Netzbezug. An bewölkten Tagen kann es sein, dass das Auto gar nicht oder nur wenig geladen wird. Ideal für das Zweitauto oder wenn das Auto tagsüber oft zu Hause steht.

2. Mindestladung + Überschuss (Min+PV-Modus): Sie legen eine Mindest-Ladeleistung fest (z.B. 2 kW), die immer geladen wird — auch aus dem Netz. Darüber hinaus wird jeder PV-Überschuss zusätzlich zum Laden genutzt. Sinnvoll, wenn Sie sicherstellen möchten, dass das Auto morgens eine Mindestreichweite hat.

3. Sofortladen (Max-Leistung-Modus): Das Auto wird sofort mit voller Leistung geladen, unabhängig von der PV-Produktion. Dieser Modus nutzt keinen Solarstrom gezielt und ist nur sinnvoll, wenn Sie das Auto dringend schnell laden müssen.

Software-Lösungen für Überschussladen: Neben den Hersteller-eigenen Apps gibt es Open-Source-Lösungen wie evcc (evcc.io), die herstellerübergreifend funktionieren. evcc unterstützt über 100 Wallbox-Modelle und kommuniziert mit den meisten Wechselrichtern. Die Software läuft auf einem Raspberry Pi und ist kostenlos.

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Wallbox-Modelle im Vergleich: Welche passt zu Solar?

Nicht jede Wallbox eignet sich für PV-Überschussladen. Hier vergleichen wir die beliebtesten Modelle nach Solar-Tauglichkeit, Preis und Funktionsumfang.

Vergleichstabelle der beliebtesten Wallboxen für Solarnutzung (2026):

WallboxLeistungPV-ÜberschussladenPhasenschaltungPreis
go-eCharger Gemini flex11/22 kWJa (integriert)Ja (1↔3-phasig)ca. 750 €
Fronius Wattpilot11/22 kWJa (Fronius WR nativ)Jaca. 900 €
SMA EV Charger22 kWJa (SMA WR nativ)Jaca. 1.200 €
Easee Home22 kWJa (via evcc/API)Jaca. 900 €
Keba P30 x-series22 kWJa (via OCPP/evcc)Nein (extern)ca. 800 €
myenergi zappi22 kWJa (integriert, CT-Klemme)Jaca. 1.000 €
Tesla Wall Connector11 kWJa (via evcc/API)Neinca. 500 €
Heidelberg Wallbox Energy Control11 kWJa (via evcc)Neinca. 600 €

Unsere Empfehlungen nach Anwendungsfall:

Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis: go-eCharger Gemini flex Integriertes PV-Überschussladen, automatische Phasenschaltung, offene API, kompaktes Design und günstiger Preis. Funktioniert mit praktisch jedem Wechselrichter.

Bestes Ökosystem (Fronius-Nutzer): Fronius Wattpilot Wenn Sie bereits einen Fronius-Wechselrichter haben, bietet der Wattpilot die nahtloseste Integration. Die Kommunikation erfolgt nativ über das Fronius-Ökosystem — kein zusätzliches EMS oder evcc nötig.

Bestes Ökosystem (SMA-Nutzer): SMA EV Charger Analoges Argument für SMA-Kunden. Der SMA Sunny Home Manager koordiniert PV-Produktion, Speicher und Wallbox optimal.

Achtung
Achten Sie beim Kauf einer Wallbox unbedingt auf die Kompatibilität mit Ihrem Wechselrichter und die Fähigkeit zur dynamischen Leistungsanpassung. Eine „smarte" Wallbox, die nur per App gesteuert werden kann aber kein Überschussladen unterstützt, bringt Ihnen keinen Vorteil gegenüber einer günstigen „dummen" Wallbox.

Installation und Kosten:

Die Installation einer Wallbox muss von einem zertifizierten Elektriker durchgeführt werden. Die Kosten variieren je nach Aufwand:

PostenKosten
Wallbox (Gerät)500 – 1.200 €
Elektroinstallation500 – 1.500 €
FI-Schutzschalter (Typ B)150 – 300 €
Kabelverlegung (je nach Länge)200 – 800 €
Smartmeter (falls nicht vorhanden)100 – 300 €
Gesamt1.450 – 4.100 €

Die Installation muss beim Netzbetreiber angemeldet werden. Bei 11-kW-Wallboxen reicht eine Anmeldung, bei 22 kW ist eine Genehmigung erforderlich. Die meisten Haushalte kommen mit 11 kW aus — das lädt ein typisches E-Auto in 4–6 Stunden vollständig.

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Wirtschaftlichkeit: Rechnet sich die Kombination Solar + Wallbox?

Die Kombination aus Solaranlage, Speicher und Wallbox ist eine der wirtschaftlich attraktivsten Investitionen für Eigenheimbesitzer mit E-Auto. Hier die detaillierte Rechnung:

Investitions-Szenario: 10 kWp PV + 10 kWh Speicher + 11 kW Wallbox

KomponenteKosten
PV-Anlage 10 kWp12.000 – 15.000 €
Batteriespeicher 10 kWh5.000 – 8.000 €
Wallbox (inkl. Installation)1.500 – 3.000 €
Gesamtinvestition18.500 – 26.000 €

Jährliche Ersparnis (Haushalt 4.500 kWh + E-Auto 3.000 kWh):

SzenarioEigenverbrauchJährliche ErsparnisAmortisation
Nur PV (ohne Speicher, ohne E-Auto)30%1.714 €8 Jahre
PV + Speicher (ohne E-Auto)65%2.507 €9 Jahre
PV + E-Auto (ohne Speicher)45%2.459 €7 Jahre
PV + Speicher + E-Auto75%3.250 €7,5 Jahre
Tipp
Die Kombination PV + E-Auto ohne Speicher hat oft die kürzeste Amortisationszeit, weil das E-Auto als „günstiger Speicher" fungiert. Wenn Sie tagsüber zu Hause laden können (Homeoffice, Teilzeit, Schichtarbeit), brauchen Sie möglicherweise keinen zusätzlichen Hausspeicher — das spart 5.000–8.000 Euro Investition.

20-Jahres-Gesamtrechnung (PV + Speicher + E-Auto):

  • Gesamtinvestition: 22.000 €
  • Laufende Kosten (20 Jahre): 10.000 € (Wartung, Speichertausch, WR-Tausch)
  • Gesamtkosten: 32.000 €
  • Gesamtersparnis (20 Jahre, inkl. Strompreissteigerung): ca. 75.000 – 90.000 €
  • Netto-Gewinn: ca. 43.000 – 58.000 €
  • IRR (Rendite): 12–16%

Diese Rendite berücksichtigt die Strompreissteigerung von 3% pro Jahr. Im 20. Jahr sparen Sie nicht mehr 38 ct/kWh, sondern über 65 ct/kWh für jede selbst verbrauchte Kilowattstunde.

Vergleich: E-Auto-Betriebskosten Solar vs. Netz vs. Benzin:

AntriebKosten pro 100 kmKosten pro Jahr (15.000 km)20-Jahres-Kosten
E-Auto + Solarstrom1,60 – 2,40 €240 – 360 €4.800 – 7.200 €
E-Auto + Netzstrom7,60 €1.140 €22.800 €
Benziner (8L/100km)14,40 €2.160 €43.200 €
Info
Mit Solarstrom aus der eigenen Anlage fahren Sie Ihr E-Auto für unter 2 Euro pro 100 km. Das ist günstiger als jedes andere Fortbewegungsmittel — und Sie fahren komplett emissionsfrei. Die Kombination aus eigener Solaranlage und E-Auto ist die wirtschaftlichste und klimafreundlichste Mobilitätslösung für Eigenheimbesitzer.

Unser Fazit: Wenn Sie ein E-Auto besitzen oder planen, ist eine Solaranlage mit Wallbox praktisch ein Muss. Die Investition rechnet sich in 7–8 Jahren, die Gesamtersparnis über 20 Jahre liegt bei 40.000–60.000 Euro, und Sie laden Ihr Auto mit kostenlosem, emissionsfreiem Solarstrom. Nutzen Sie unseren Solarrechner, um die optimale Konfiguration für Ihre Situation zu berechnen.

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