Das Dreifach-System erklärt
Die Kombination aus Photovoltaikanlage, Wärmepumpe und Elektroauto ist das Energiesystem der Zukunft — und funktioniert schon heute zuverlässig in tausenden deutschen Haushalten. Das Prinzip ist bestechend einfach: Die PV-Anlage auf dem Dach erzeugt Strom, die Wärmepumpe nutzt diesen Strom zum Heizen und das E-Auto wird ebenfalls mit Solarstrom geladen.
Warum gerade diese Kombination?
Jede Komponente für sich ist bereits sinnvoll. Doch zusammen entsteht ein Synergieeffekt, der die Einzellösungen weit übertrifft:
- PV allein: Eigenverbrauchsquote 25–35 %, da tagsüber mehr Strom erzeugt als verbraucht wird
- PV + Wärmepumpe: Eigenverbrauchsquote 40–55 %, da die Wärmepumpe den Überschussstrom nutzt
- PV + Wärmepumpe + E-Auto: Eigenverbrauchsquote 60–80 %, da das E-Auto als flexibler Verbraucher dient
- PV + Speicher + WP + E-Auto: Eigenverbrauchsquote 75–90 %
Der entscheidende Punkt: Mehr Eigenverbrauch bedeutet weniger Strom aus dem Netz zu 38 ct/kWh und weniger Einspeisung zu nur 8,2 ct/kWh. Jede selbst verbrauchte kWh spart Ihnen also knapp 30 Cent.
Wie funktioniert das Zusammenspiel im Alltag?
An einem sonnigen Tag im Mai läuft das System so ab: Ab 8 Uhr morgens produziert die PV-Anlage mehr Strom als der Haushalt verbraucht. Der Überschuss fließt zuerst in den Batteriespeicher. Ist dieser voll, schaltet die Wärmepumpe ein und erwärmt den Warmwasserspeicher — auch wenn gerade keine Wärme benötigt wird (thermische Speicherung). Steht das E-Auto in der Garage, wird es über die Wallbox geladen. Erst wenn alle Verbraucher bedient sind, wird der Rest ins Netz eingespeist.
Im Winter kehrt sich das Bild teilweise um: Die PV-Anlage liefert weniger, die Wärmepumpe braucht mehr. Doch selbst im Januar deckt eine gut dimensionierte Anlage 20–30 % des Gesamtstrombedarfs. Das E-Auto wird dann verstärkt abends über günstigen Netzstrom geladen — idealerweise mit einem dynamischen Stromtarif zu Niedrigpreiszeiten.
Dimensionierung: So groß muss das System sein
Die richtige Dimensionierung ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. Zu klein dimensioniert, verschenken Sie Potenzial. Zu groß, investieren Sie unnötig viel. Hier ein praxiserprobter Leitfaden für ein Einfamilienhaus mit 4 Personen.
PV-Anlage: 10–15 kWp
Als Faustregel gilt: Belegen Sie so viel Dachfläche wie möglich — der Strom wird gebraucht. Eine 10-kWp-Anlage reicht für den reinen Haushaltsstrom, aber mit Wärmepumpe und E-Auto sollten es mindestens 12–15 kWp sein.
| Verbraucher | Jährlicher Strombedarf | Empfohlene PV-Größe |
|---|---|---|
| Haushalt (4 Personen) | 4.000 – 5.000 kWh | 5 kWp |
| Wärmepumpe (EFH 140 m²) | 3.000 – 5.000 kWh | 4 kWp |
| E-Auto (15.000 km/Jahr) | 2.500 – 3.500 kWh | 3 kWp |
| Gesamt | 9.500 – 13.500 kWh | 12–15 kWp |
Wärmepumpe: 6–12 kW thermisch
Die Leistung richtet sich nach der Heizlast Ihres Gebäudes. Nach einer Dämmung (empfohlen!) liegt die Heizlast eines typischen EFH bei 40–80 W/m². Für 140 m² bedeutet das 6–11 kW thermische Leistung.
Batteriespeicher: 8–12 kWh
Der Speicher überbrückt die Abend- und Nachtstunden. Die optimale Größe liegt bei 1,0–1,2 kWh pro kWp PV-Leistung. Für eine 12-kWp-Anlage sind das 10–12 kWh.
Wallbox: 11 kW
Eine 11-kW-Wallbox ist der Standard. Sie lädt ein E-Auto mit 50–60 km Reichweite pro Stunde und benötigt keine Genehmigung durch den Netzbetreiber (nur Anmeldepflicht). Wichtig: Die Wallbox sollte solaroptimiert sein — also die Ladeleistung an den aktuellen PV-Überschuss anpassen können.
Gesamtübersicht für ein Muster-EFH:
| Komponente | Empfohlene Größe |
|---|---|
| PV-Anlage | 13 kWp (ca. 75 m² Dachfläche) |
| Batteriespeicher | 10 kWh |
| Wärmepumpe | 8 kW thermisch (Luft-Wasser) |
| Warmwasserspeicher | 300 Liter |
| Pufferspeicher | 500 Liter |
| Wallbox | 11 kW, solaroptimiert |
| Energiemanagement | HEMS mit SG-Ready |
Energieflüsse im Jahresverlauf
Das Zusammenspiel der drei Systeme ändert sich mit den Jahreszeiten erheblich. Ein Verständnis der saisonalen Energieflüsse hilft bei der Planung und der realistischen Einschätzung der Autarkie.
Frühling (März – Mai): Die goldene Jahreszeit
Die PV-Anlage produziert bereits kräftig (3.000–4.000 kWh im Quartal), der Heizbedarf sinkt rapide. In dieser Phase wird das Gesamtsystem zum Netto-Einspeiser: Überschüssiger Strom fließt ins Netz oder füllt das E-Auto. Der Eigenverbrauchsanteil liegt bei 50–65 %, der Autarkiegrad bei 70–85 %.
Sommer (Juni – August): Maximale Eigenproduktion
Die PV-Anlage erreicht ihre Spitzenleistung (4.000–5.000 kWh im Quartal). Die Wärmepumpe verbraucht nur wenig Strom (Warmwasser). Das E-Auto kann fast ausschließlich mit Solarstrom geladen werden. Eigenverbrauchsquote: 40–55 % (viel Überschuss), Autarkiegrad: 90–100 %.
Herbst (September – November): Der Übergang
Die Solarproduktion sinkt (1.500–2.500 kWh im Quartal), der Heizbedarf steigt. Ab Oktober deckt die PV-Anlage nicht mehr den gesamten Strombedarf der Wärmepumpe. Der Netzbezug steigt. Eigenverbrauchsquote: 65–80 %, Autarkiegrad: 40–60 %.
Winter (Dezember – Februar): Die Herausforderung
In den drei dunkelsten Monaten produziert die PV-Anlage nur 600–1.200 kWh — während die Wärmepumpe 1.500–2.500 kWh verbraucht. Ohne Netzstrom geht es nicht. Eigenverbrauchsquote: 80–95 % (fast alles wird direkt verbraucht), Autarkiegrad: 15–30 %.
Jahresbilanz (Muster-EFH mit 13 kWp, 10 kWh Speicher, WP, E-Auto):
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| PV-Produktion gesamt | 13.000 kWh/Jahr |
| Gesamtstromverbrauch | 12.000 kWh/Jahr |
| Eigenverbrauch | 7.800 kWh (60 %) |
| Netzeinspeisung | 5.200 kWh (40 %) |
| Netzbezug | 4.200 kWh |
| Autarkiegrad | 65 % |
| Vermiedene CO2-Emissionen | ca. 5,5 t/Jahr |
Die saisonale Schieflage lässt sich durch dynamische Stromtarife abmildern: Im Winter laden Sie das E-Auto nachts zu Börsenpreisen von 5–15 ct/kWh, im Sommer speisen Sie überschüssigen Solarstrom zu Spitzenpreisen ein.
Gesamtkosten und Förderung
Die Investition in das Komplettsystem ist erheblich — wird aber durch staatliche Förderung und langfristige Einsparungen deutlich relativiert. Hier die detaillierte Kostenaufstellung.
Investitionskosten (brutto, vor Förderung):
| Komponente | Kosten |
|---|---|
| PV-Anlage 13 kWp (schlüsselfertig) | 15.000 – 19.000 € |
| Batteriespeicher 10 kWh | 5.000 – 9.000 € |
| Wärmepumpe Luft-Wasser 8 kW (inkl. Installation) | 18.000 – 25.000 € |
| Puffer- und Warmwasserspeicher | 2.000 – 4.000 € |
| Wallbox 11 kW (solaroptimiert, inkl. Installation) | 1.500 – 3.000 € |
| Energiemanagement-System | 500 – 1.500 € |
| Gesamt | 42.000 – 61.500 € |
Verfügbare Förderung 2026:
| Förderung | Betrag |
|---|---|
| PV-Anlage: 0 % MwSt. (bereits im Preis) | ca. 3.000 – 4.000 € Ersparnis |
| Wärmepumpe: BEG Grundförderung 30 % | 5.400 – 7.500 € |
| Wärmepumpe: Klimageschwindigkeitsbonus 20 % | 3.600 – 5.000 € |
| Wärmepumpe: Effizienzbonus 5 % (Propan) | 900 – 1.250 € |
| KfW-Zuschuss Wallbox (KfW 442) | 600 – 1.200 € |
| Gesamte Förderung | 13.500 – 18.950 € |
Netto-Investition nach Förderung:
| Szenario | Netto-Kosten |
|---|---|
| Ohne Einkommensbonus | 23.000 – 42.500 € |
| Mit Einkommensbonus | 17.600 – 35.000 € |
Finanzierung:
Der KfW-Ergänzungskredit (Programm 358/359) bietet Zinssätze ab ca. 1,0 %. Bei einer Kreditsumme von 30.000 Euro und 20 Jahren Laufzeit ergibt das eine monatliche Rate von ca. 140–170 Euro — deutlich weniger als die monatliche Energiekostenersparnis.
Wirtschaftlichkeit: Die 20-Jahres-Rechnung
Wie rechnet sich das Komplettsystem über 20 Jahre? Wir vergleichen zwei Szenarien: den konventionellen Haushalt (Gasheizung, Netzstrom, Verbrenner) mit dem Komplettsystem (PV + Wärmepumpe + E-Auto).
Szenario A: Konventionell (Gasheizung, Netzstrom, Benziner)
| Kostenposition | Jährlich | Über 20 Jahre |
|---|---|---|
| Gasheizung (20.000 kWh × 12 ct/kWh) | 2.400 € | 48.000 € |
| Strom (4.000 kWh × 38 ct/kWh) | 1.520 € | 30.400 € |
| Benzin (15.000 km × 7 L × 1,85 €/L) | 1.943 € | 38.850 € |
| Wartung Gasheizung | 300 € | 6.000 € |
| Heizungserneuerung (nach 15 J.) | — | 10.000 € |
| Gesamt (ohne Preissteigerung) | 6.163 € | 133.250 € |
Szenario B: Komplettsystem (PV + WP + E-Auto + Speicher)
| Kostenposition | Jährlich | Über 20 Jahre |
|---|---|---|
| Investition (nach Förderung) | — | 35.000 € |
| Reststrom aus Netz (4.200 kWh × 38 ct) | 1.596 € | 31.920 € |
| Einspeisevergütung (5.200 kWh × 8,2 ct) | – 426 € | – 8.528 € |
| Wartung (WP + PV + Speicher) | 400 € | 8.000 € |
| Speicherersatz (nach 12–15 J.) | — | 4.000 € |
| Wechselrichterersatz (nach 12–15 J.) | — | 2.000 € |
| Gesamt | 1.570 € | 72.392 € |
Ersparnis über 20 Jahre: 133.250 – 72.392 = 60.858 Euro
Renditebetrachtung:
Die Rendite des Komplettsystems liegt bei 6–10 % pro Jahr (interner Zinsfuß / IRR). Das übertrifft die meisten konventionellen Geldanlagen bei vergleichsweise geringem Risiko — schließlich brauchen Sie Heizung, Strom und Mobilität in jedem Fall.
Zusätzliche Vorteile, die nicht in der Rechnung stehen:
- Immobilienwertsteigerung: 15.000 – 40.000 Euro
- Unabhängigkeit von Energiepreisschwankungen
- CO2-Einsparung: ca. 110 Tonnen über 20 Jahre
- Komfortgewinn durch Flächenheizung und leises E-Auto
- Kein Ölgeruch, kein Tankstellenbesuch, kein Schornsteinfeger
Das Komplettsystem aus PV, Wärmepumpe und E-Auto ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch die klügste Entscheidung für Eigenheimbesitzer. Nutzen Sie unseren Solarrechner, um Ihre individuelle Wirtschaftlichkeit zu berechnen.
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