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Energiemanagement-System: Ihr Haus intelligent steuern

Kombination|8 Min. Lesezeit|Hausbilanz Redaktion|8. Februar 2026
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Was ist ein HEMS?

Ein Home Energy Management System — kurz HEMS — ist die zentrale Intelligenz Ihres Hausenergiesystems. Es verbindet PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe, Wallbox und Haushaltsgeräte und steuert die Energieflüsse automatisch so, dass der Eigenverbrauch maximiert und die Kosten minimiert werden.

Stellen Sie sich das HEMS als Dirigent eines Orchesters vor: Die einzelnen Instrumente (PV, Speicher, Wärmepumpe, E-Auto) können alle für sich spielen. Aber erst der Dirigent sorgt dafür, dass sie harmonisch zusammenwirken und kein Strom verschwendet wird.

Warum brauchen Sie ein HEMS?

Ohne HEMS arbeiten die Komponenten Ihres Energiesystems unkoordiniert. Die Wärmepumpe springt an, wenn der Thermostat es verlangt — egal ob gerade Solarstrom verfügbar ist oder nicht. Das E-Auto lädt sofort beim Einstecken mit voller Leistung — obwohl es erst am nächsten Morgen gebraucht wird. Der Speicher füllt sich, während die Wärmepumpe Netzstrom zieht.

Ein HEMS ändert das grundlegend:

  • Solarüberschuss erkennen: Das HEMS weiß in Echtzeit, wie viel PV-Strom verfügbar ist
  • Verbraucher priorisieren: Erst Haushalt, dann Speicher, dann Wärmepumpe, dann E-Auto
  • Vorausschauend planen: Wetterprognosen einbeziehen, um Speicher und Wärmepumpe optimal zu steuern
  • Zeitfenster nutzen: Geräte in sonnenreiche Stunden verschieben
  • Kosten optimieren: Bei dynamischen Stromtarifen günstige Zeiten zum Netzbezug nutzen
Info
Studien zeigen, dass ein HEMS den Eigenverbrauch um 10–15 Prozentpunkte steigern kann — allein durch intelligente Steuerung, ohne zusätzliche Hardware. Bei einem Haushalt mit 10.000 kWh Jahresverbrauch und 38 ct/kWh Strompreis spart das jährlich 380–570 Euro.

Wie funktioniert ein HEMS technisch?

Im Kern besteht ein HEMS aus drei Komponenten:

1. Energiemessgeräte (Smart Meter, Sensorik): Erfassen die Energieflüsse in Echtzeit — Produktion, Verbrauch, Netzbezug, Einspeisung. 2. Steuerungseinheit (Gateway/Controller): Verarbeitet die Daten und berechnet die optimale Verteilung. Läuft auf einem lokalen Gerät oder in der Cloud. 3. Schnittstellen zu den Verbrauchern: SG-Ready für Wärmepumpen, OCPP/Modbus für Wallboxen, WLAN/Zigbee für smarte Steckdosen und Geräte.

Moderne HEMS nutzen zunehmend KI-basierte Prognosen: Sie lernen Ihr Verbrauchsmuster, kombinieren es mit Wettervorhersagen und optimieren die Energieflüsse vorausschauend. Beispiel: Wenn für morgen Regen angesagt ist, lädt das HEMS den Speicher heute nicht voll, sondern reserviert Kapazität für morgen — und verschiebt den Wärmepumpenbetrieb in die letzten sonnigen Stunden.

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Funktionen und Vorteile im Detail

Ein modernes HEMS bietet weit mehr als nur Eigenverbrauchsoptimierung. Hier sind die wichtigsten Funktionen und ihr konkreter Nutzen.

1. Eigenverbrauchsmaximierung

Die Kernfunktion: Solarstrom wird dort eingesetzt, wo er den größten wirtschaftlichen Nutzen hat.

  • Prioritätensteuerung: Haushalt → Speicher → Wärmepumpe → E-Auto → Einspeisung
  • Überschusssteuerung: Automatisches Einschalten der Wärmepumpe bei Solarüberschuss (SG-Ready Signal)
  • Modulierte Wallbox-Ladung: Die Ladeleistung passt sich dem verfügbaren Überschuss an (z. B. 1,4–11 kW)

2. Dynamische Tarifoptimierung

Mit einem dynamischen Stromtarif (z. B. Tibber, Awattar, Ostrom) werden die stündlichen Börsenpreise einbezogen:

  • Günstig einkaufen: Speicher und E-Auto laden, wenn der Strompreis unter 10 ct/kWh liegt (typisch nachts oder bei viel Wind)
  • Teuer verkaufen: Einspeisung oder Speicherentladung bei hohen Börsenpreisen (typisch abends 17–20 Uhr)
  • Negative Strompreise nutzen: Bei Stromüberschuss im Netz können die Preise sogar negativ werden — Sie werden fürs Verbrauchen bezahlt
Tipp
Die Kombination aus HEMS und dynamischem Stromtarif kann die Stromkosten um zusätzliche 100–300 Euro pro Jahr senken — ohne eigene PV-Anlage. Mit PV-Anlage potenziert sich der Effekt, weil Sie den Solarstrom strategisch einsetzen können statt pauschal einzuspeisen.

3. Wetterbasierte Prognosen

Das HEMS bezieht Wettervorhersagen ein:

  • Sonnige Tage: Wärmepumpe und E-Auto gezielt auf die Mittagsstunden verschieben
  • Bewölkte Tage: Speicher schonen, Verbraucher auf günstige Netzstromzeiten legen
  • Kalte Nächte: Wärmepumpe vor Sonnenuntergang aktivieren, um den Pufferspeicher zu laden

4. Visualisierung und Monitoring

Transparenz über Ihre Energieflüsse:

  • Echtzeit-Dashboard: Produktion, Verbrauch, Speicherstand, Eigenverbrauchsquote auf einen Blick
  • Historische Daten: Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresauswertungen
  • Verbrauchsanalyse: Welche Geräte verbrauchen wie viel? Wo sind Einsparpotenziale?
  • Push-Benachrichtigungen: Störungen, ungewöhnlicher Verbrauch, Wartungshinweise

5. Notstrom- und Inselbetrieb

Einige HEMS unterstützen Notstromfunktionen:

  • Automatische Umschaltung bei Netzausfall
  • Inselbetrieb mit PV-Anlage und Batteriespeicher
  • Priorisierung kritischer Verbraucher (Kühlschrank, Heizung, Internet)
Achtung
Notstromfähigkeit erfordert spezielle Hardware (notstromfähiger Wechselrichter und Umschaltbox). Nicht jedes HEMS unterstützt diese Funktion. Wenn Ihnen Notstrom wichtig ist, muss dies von Anfang an bei der Planung berücksichtigt werden.

6. E-Auto-Integration

Die intelligente Wallbox-Steuerung ist ein unterschätzter Hebel:

  • PV-Überschussladen: Nur laden, wenn genug Solarstrom vorhanden ist
  • Abfahrtsplanung: E-Auto ist um 7 Uhr morgens voll — HEMS berechnet den günstigsten Ladezeitpunkt (Solar + dynamischer Tarif)
  • Bidirektionales Laden (V2H/V2G): Das E-Auto speist bei Bedarf ins Haus ein — als Riesenspeicher von 40–80 kWh. (Ab 2026 in ersten Fahrzeugen verfügbar)
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Systeme im Vergleich: SMA, Fronius, E3DC & Home Assistant

Der HEMS-Markt wächst rasant. Wir vergleichen die vier wichtigsten Systeme für Eigenheimbesitzer — von der kommerziellen Komplettlösung bis zur Open-Source-Alternative.

Übersicht der wichtigsten HEMS 2026:

KriteriumSMA Sunny Home Manager 2.0Fronius Wattpilot / Solar.webE3DC HauskraftwerkHome Assistant (Open Source)
Preis500 – 700 €Im WR enthaltenIm System enthalten50 – 200 € (Hardware)
InstallationVom FachbetriebVom FachbetriebVom FachbetriebSelbst (DIY)
PV-IntegrationSMA-WechselrichterFronius-WechselrichterE3DC-komplettAlle Hersteller
SpeicherSMA, BYD, LGBYD, FroniusE3DC-eigenerAlle Hersteller
WP-SteuerungSG-ReadySG-ReadySG-ReadySG-Ready, Modbus, API
WallboxSMA EV Charger, OCPPFronius WattpilotE3DC WallboxAlle mit OCPP/API
Dyn. TarifeJa (ab 2025)Ja (Awattar)JaJa (alle Anbieter)
WetterprognoseJaJaJaJa (Solcast, DWD)
NotstromNein (nur mit Speicher-WR)NeinJa (integriert)Nein (nur Monitoring)
Offene APIBegrenztBegrenztBegrenztVollständig offen
BedienungEinfach (App)Einfach (App)Einfach (App/Display)Fortgeschritten
EmpfehlungBeste Allround-LösungGut für Fronius-NutzerPremium-KomplettFür Technik-Enthusiasten

SMA Sunny Home Manager 2.0

Der Klassiker unter den HEMS. Seit Jahren am Markt, ausgereift und zuverlässig. Kommuniziert direkt mit SMA-Wechselrichtern und steuert Verbraucher über Funksteckdosen oder SEMP-Protokoll. Die App „Sunny Places" zeigt Energieflüsse in Echtzeit. Seit 2025 auch mit dynamischer Tarifoptimierung. Größter Nachteil: Bindet Sie stark an das SMA-Ökosystem.

Fronius Solar.web / Wattpilot

Fronius bietet kein separates HEMS-Gerät, sondern integriert die Energiemanagement-Funktionen direkt in Wechselrichter und Wallbox (Wattpilot). Solar.web als Cloud-Plattform zeigt Energieflüsse und ermöglicht Grundkonfigurationen. Für Fronius-Nutzer die naheliegende Lösung, aber weniger flexibel als dedizierte HEMS.

Tipp
Wenn Sie noch keine PV-Anlage haben und maximale Flexibilität wollen, wählen Sie den Wechselrichter-Hersteller passend zum gewünschten HEMS — nicht umgekehrt. Oder setzen Sie auf Home Assistant als herstellerunabhängige Lösung.

E3DC Hauskraftwerk

Die All-in-One-Lösung von E3DC vereint Wechselrichter, Batteriespeicher und HEMS in einem Gerät. Integrierte Notstromfähigkeit, eigene Wallbox und ein elegantes Display im Keller, das alle Energieflüsse visualisiert. Nachteil: geschlossenes Ökosystem mit proprietärer Hardware. Die Kosten liegen deutlich über Einzelkomponenten, dafür ist alles perfekt aufeinander abgestimmt.

Home Assistant (Open Source)

Die Lösung für Technik-Begeisterte. Home Assistant ist eine kostenlose Open-Source-Plattform, die auf einem Raspberry Pi oder Mini-PC läuft. Sie verbindet praktisch jeden Wechselrichter, Speicher, jede Wärmepumpe und Wallbox — herstellerübergreifend. Mit Erweiterungen wie „Emhass" (Energy Management Home Assistant) oder „PV Excess Control" wird es zum vollwertigen HEMS mit Wetterprognose und dynamischer Tarifoptimierung.

Info
Home Assistant hat die aktivste Community im Smart-Home-Bereich. Für nahezu jedes Energiegerät gibt es eine Integration. Der Aufwand für Einrichtung und Pflege ist allerdings erheblich — planen Sie ein Wochenende für die Grundkonfiguration und regelmäßige Updates ein. Dafür ist die Flexibilität unübertroffen.

Unsere Empfehlung:

  • Für Komfort-Liebhaber: SMA Sunny Home Manager 2.0 — einfach, zuverlässig, guter Support
  • Für Premium-Ansprüche: E3DC Hauskraftwerk — Alles aus einer Hand, Notstrom inklusive
  • Für bestehende Fronius-Anlagen: Fronius Solar.web + Wattpilot — nahtlose Integration
  • Für Technik-Enthusiasten: Home Assistant — maximale Flexibilität, herstellerunabhängig, kostenlos

Unabhängig vom gewählten System gilt: Ein HEMS macht sich in der Regel innerhalb von 2–4 Jahren bezahlt — allein durch die höhere Eigenverbrauchsquote und die damit verbundenen Stromeinsparungen.

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