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Dynamischer Stromtarif mit PV-Anlage: Lohnt sich das?

Photovoltaik|8 Min. Lesezeit|Hausbilanz Redaktion|9. Februar 2026
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Was ist ein dynamischer Stromtarif?

Ein dynamischer Stromtarif koppelt Ihren Strompreis direkt an die Börsenpreise der europäischen Strombörse EPEX Spot. Statt eines festen Preises pro kWh zahlen Sie einen stündlich wechselnden Preis, der Angebot und Nachfrage auf dem Strommarkt widerspiegelt.

Wie sich der Preis zusammensetzt:

BestandteilAnteilVariabel?
EPEX-Spot-Preis5–15 ct/kWhJa (stündlich)
Netzentgelte8–10 ct/kWhNein (fix)
Steuern & Abgaben10–12 ct/kWhNein (fix)
Anbieter-Marge1–3 ct/kWhNein (fix)
Gesamtpreis24–40 ct/kWhTeilweise

Der variable Anteil — der Börsenpreis — schwankt je nach Tageszeit, Wetterlage und Stromnachfrage. Nachts und an windreichen Tagen kann der Börsenpreis auf 2–5 ct/kWh sinken. In Spitzenzeiten (abends, kalte Winterabende) kann er auf 20–30 ct/kWh steigen.

Info
Seit dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) von 2023 sind alle Stromanbieter verpflichtet, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten. Die Auswahl an Anbietern wächst stetig, und die Konkurrenz drückt die Margen.

Wer profitiert am meisten? Dynamische Tarife lohnen sich vor allem für Verbraucher, die ihren Stromverbrauch flexibel steuern können. Wer eine Wärmepumpe, ein E-Auto oder einen Batteriespeicher besitzt, kann gezielt in Niedrigpreisphasen Strom beziehen. Ohne diese Flexibilität ist der Vorteil gegenüber einem guten Festpreistarif gering.

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Vorteile mit PV-Anlage und Speicher

Die Kombination aus Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und dynamischem Stromtarif ist ein leistungsfähiges Trio. Jede Komponente ergänzt die anderen optimal.

Szenario 1: Sonniger Tag (PV produziert viel) - Tagsüber: PV versorgt das Haus und lädt den Speicher - Überschuss wird eingespeist (Einspeisevergütung: 8,2 ct/kWh) - Abends: Speicher versorgt das Haus — kein teurer Netzstrom nötig

Szenario 2: Bewölkter Tag (wenig PV-Ertrag) - Tagsüber: PV deckt nur einen Teil des Bedarfs - Speicher wird aus dem Netz geladen, wenn der Börsenpreis niedrig ist (nachts/frühmorgens) - Abends: Speicher versorgt das Haus mit günstig geladenem Strom

Szenario 3: Winterabend (keine PV, hoher Verbrauch) - Speicher wurde nachts bei niedrigem Börsenpreis geladen - Vermeidung der teuren Abendspitze (18–20 Uhr), wenn Börsenpreise am höchsten sind

Tipp
Ein intelligentes Home Energy Management System (HEMS) kann den Speicher automatisch nach Börsenpreis laden und entladen. So nutzen Sie günstige Preise aus, ohne selbst den Markt beobachten zu müssen. Die meisten modernen Wechselrichter (Fronius, SMA, Huawei) bieten bereits integrierte Schnittstellen für dynamische Tarife.

Einsparpotenzial durch die Kombination:

KonfigurationØ Stromkosten/kWhErsparnis vs. Festtarif
Festtarif (kein PV)38 ctReferenz
Dynamisch (kein PV)33–35 ct3–5 ct/kWh
PV + Festtarif18–22 ct (Mischkalkulation)16–20 ct/kWh
PV + Speicher + Dynamisch10–15 ct (Mischkalkulation)23–28 ct/kWh

Die größten Einsparungen entstehen durch die Kombination aller drei Elemente: Der Eigenverbrauch aus der PV-Anlage ist ohnehin kostenlos, der Speicher vermeidet teure Abendspitzen, und der dynamische Tarif senkt die Kosten für den verbleibenden Reststrombezug.

Arbitrage-Effekt: In seltenen Fällen treten an der Börse negative Strompreise auf — Sie werden also fürs Strombeziehen bezahlt. Mit einem Speicher können Sie diese Phasen nutzen und den quasi geschenkten Strom für später speichern. Dieser Effekt tritt vor allem an windreichen Wochenenden und Feiertagen auf.

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Anbieter und Einsparpotenzial im Überblick

Der Markt für dynamische Stromtarife in Deutschland wächst rasant. Hier ein Überblick der bekanntesten Anbieter und ihrer Konditionen (Stand Februar 2026):

AnbieterGrundgebühr/MonatAufschlag auf EPEXSmart Meter nötig?App-Steuerung
Tibber5,99 €2,0 ct/kWhJaJa
aWATTar0 €2,5 ct/kWhJaJa
Ostrom8,90 €1,5 ct/kWhJaJa
Rabot Charge0 €2,0 ct/kWhJaJa
1Komma5°variabel1,0 ct/kWhJa (Heartbeat)Ja

Smart Meter Pflicht: Für dynamische Tarife benötigen Sie ein intelligentes Messsystem (Smart Meter). Seit 2025 treiben die Messstellenbetreiber den Rollout voran. Die Kosten liegen bei 20–50 €/Jahr Messstellengebühr. Bei einem Verbrauch über 6.000 kWh/Jahr haben Sie einen Anspruch auf ein Smart Meter.

Achtung
Nicht alle Anbieter harmonieren gleich gut mit jeder PV-Anlage und jedem Wechselrichter. Prüfen Sie vor dem Wechsel, ob Ihr Wechselrichter-Hersteller eine offizielle Integration mit dem gewählten Anbieter hat. Tibber unterstützt beispielsweise SMA, Fronius und Huawei direkt. 1Komma5° setzt auf sein eigenes Heartbeat-System, das nur mit bestimmter Hardware funktioniert.

Realistisches Einsparpotenzial: Für einen Haushalt mit PV-Anlage und Speicher liegt das zusätzliche Einsparpotenzial durch einen dynamischen Tarif bei 100 bis 300 Euro pro Jahr gegenüber einem guten Festpreistarif. Der Betrag hängt stark vom Reststrombezug ab — je mehr Strom Sie noch vom Netz beziehen, desto mehr profitieren Sie.

Ohne PV-Anlage und Speicher ist das Einsparpotenzial geringer: 50 bis 150 Euro pro Jahr. Hier fehlt die Möglichkeit, Strom zu günstigen Zeiten zu speichern und zu teuren Zeiten zu nutzen.

Unser Fazit: Ein dynamischer Tarif ist eine sinnvolle Ergänzung zu einer PV-Anlage mit Speicher. Er ersetzt aber nicht die Grundlogik: Der größte Hebel bleibt der Eigenverbrauch des selbst erzeugten Solarstroms. Der dynamische Tarif optimiert lediglich die verbleibenden 20–35% Reststrombezug.

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