Anschaffungskosten im Vergleich
Der erste Blick fällt meist auf die Anschaffungskosten — und hier hat die Gasheizung auf den ersten Blick die Nase vorn. Doch die Rechnung ändert sich, wenn man die BEG-Förderung für Wärmepumpen berücksichtigt.
Investitionskosten (120 m² Einfamilienhaus, 10 kW Heizlast):
| Kostenfaktor | Gas-Brennwert | Luft-Wasser-WP | Sole-Wasser-WP |
|---|---|---|---|
| Heizgerät | 4.500 – 7.000 € | 8.000 – 14.000 € | 10.000 – 16.000 € |
| Pufferspeicher | 1.000 – 2.000 € | 1.500 – 3.000 € | 1.500 – 3.000 € |
| Installation / Hydraulik | 2.000 – 3.500 € | 2.500 – 4.000 € | 2.500 – 4.000 € |
| Schornsteinsanierung / Abgassystem | 1.000 – 2.500 € | — | — |
| Fundament / Außenaufstellung | — | 500 – 1.500 € | — |
| Erdsondenbohrung | — | — | 6.000 – 12.000 € |
| Elektroinstallation | 200 – 500 € | 1.000 – 2.000 € | 1.000 – 2.000 € |
| Demontage alte Heizung | 500 – 1.000 € | 500 – 1.500 € | 500 – 1.500 € |
| Brutto-Investition | 9.200 – 16.500 € | 14.000 – 26.000 € | 22.000 – 38.500 € |
Nach BEG-Förderung (50% bei Austausch fossiler Heizung > 20 Jahre):
| System | Brutto | BEG-Zuschuss | **Netto** |
|---|---|---|---|
| Gas-Brennwert | 12.000 € | 0 €* | 12.000 € |
| Luft-Wasser-WP | 20.000 € | –10.000 € | 10.000 € |
| Sole-Wasser-WP | 30.000 € | –15.000 € | 15.000 € |
*Gasheizungen erhalten keine BEG-Förderung.*
Hinzu kommt: Eine neue Gasheizung, die 2026 eingebaut wird, muss möglicherweise innerhalb der nächsten 10–15 Jahre erneut ersetzt werden, wenn das GEG in Ihrer Kommune greift. Das bedeutet doppelte Investitionskosten. Eine Wärmepumpe ist dagegen GEG-konform und zukunftssicher.
Laufende Kosten: 20-Jahres-Vergleich
Bei den laufenden Kosten wird der Vergleich erst richtig spannend. Die Energiepreise entwickeln sich für Gas und Strom unterschiedlich — und genau hier liegt der langfristige Vorteil der Wärmepumpe.
Aktuelle Energiepreise (Stand Februar 2026):
| Energieträger | Preis/kWh | Erwartete jährliche Steigerung |
|---|---|---|
| Erdgas | 0,12 – 0,14 €/kWh | 3 – 5% (CO2-Preis, Gasumlage) |
| Wärmepumpenstrom | 0,27 – 0,31 €/kWh | 1 – 2% (Ausbau Erneuerbare) |
| Haushaltsstrom | 0,34 – 0,38 €/kWh | 1 – 2% |
| PV-Eigenstrom | 0,07 – 0,10 €/kWh | 0% (fixe Gestehungskosten) |
Jährliche Heizkosten im 1. Jahr (16.000 kWh Wärmebedarf):
| System | Energieverbrauch | Kosten Energie | Wartung | **Gesamt/Jahr** |
|---|---|---|---|---|
| Gasheizung (η=92%) | 17.400 kWh Gas | 2.090 € | 250 € | 2.340 € |
| Luft-WP (JAZ 3,0) | 5.330 kWh Strom | 1.600 € | 200 € | 1.800 € |
| Luft-WP + PV (30% Eigen) | 3.730 kWh Netz | 1.120 € | 200 € | 1.320 € |
| Sole-WP (JAZ 4,0) | 4.000 kWh Strom | 1.200 € | 180 € | 1.380 € |
20-Jahres-Kostenvergleich (kumuliert):
Wir rechnen mit 4% jährlicher Gaspreissteigerung und 1,5% Strompreissteigerung. Wartungskosten bleiben real konstant.
| Jahr | Gasheizung (kumuliert) | Luft-WP (kumuliert) | Luft-WP + PV (kumuliert) |
|---|---|---|---|
| Jahr 1 | 2.340 € | 1.800 € | 1.320 € |
| Jahr 5 | 12.700 € | 9.300 € | 6.850 € |
| Jahr 10 | 28.500 € | 19.100 € | 14.100 € |
| Jahr 15 | 48.200 € | 29.500 € | 21.900 € |
| Jahr 20 | 72.800 € | 40.600 € | 30.200 € |
Die Ersparnis über 20 Jahre: - Luft-WP vs. Gasheizung: 32.200 € Ersparnis - Luft-WP + PV vs. Gasheizung: 42.600 € Ersparnis - Sole-WP vs. Gasheizung: 38.800 € Ersparnis
Diese Ersparnisse übersteigen die höheren Anschaffungskosten der Wärmepumpe bei Weitem. Die Amortisation der Mehrinvestition liegt bei 6–10 Jahren — selbst ohne Förderung. Mit Förderung verkürzt sich die Amortisation auf 3–6 Jahre.
CO2-Bilanz im Vergleich
Neben den Kosten spielt die Klimabilanz eine immer wichtigere Rolle — nicht nur aus ökologischer Überzeugung, sondern auch wegen des steigenden CO2-Preises, der die Gaskosten weiter verteuern wird.
CO2-Emissionen pro Jahr (16.000 kWh Wärmebedarf):
| System | CO2-Emissionen/Jahr | Vergleich |
|---|---|---|
| Ölheizung | 5.400 kg CO2 | Referenz (höchste) |
| Gasheizung | 3.600 kg CO2 | –33% vs. Öl |
| Luft-WP (Netzstrom) | 1.700 kg CO2 | –69% vs. Öl |
| Luft-WP (Ökostrom) | 850 kg CO2 | –84% vs. Öl |
| Luft-WP + PV (30% Eigen) | 1.200 kg CO2 | –78% vs. Öl |
| Sole-WP (Netzstrom) | 1.280 kg CO2 | –76% vs. Öl |
| Sole-WP + PV | 750 kg CO2 | –86% vs. Öl |
*Berechnung mit deutschem Strommix 2026: ~320 g CO2/kWh. PV-Eigenstrom: 0 g CO2/kWh.*
Die Wärmepumpe reduziert den CO2-Ausstoß gegenüber Gas um 50–70% — bereits mit dem aktuellen Strommix. Da der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix kontinuierlich steigt (aktuell ca. 55%, Ziel 2030: 80%), verbessert sich die CO2-Bilanz der Wärmepumpe automatisch mit jedem Jahr.
Der CO2-Preis als Kostenfaktor: Seit 2021 wird in Deutschland ein CO2-Preis auf fossile Brennstoffe erhoben. Die Entwicklung:
| Jahr | CO2-Preis/Tonne | Aufschlag Gas/kWh |
|---|---|---|
| 2024 | 45 € | +0,9 Cent |
| 2025 | 55 € | +1,1 Cent |
| 2026 | 65 € | +1,3 Cent |
| 2030 (geplant) | 100 – 150 € | +2,0 – 3,0 Cent |
Über 20 Jahre vermeidet eine Wärmepumpe gegenüber einer Gasheizung rund 40–50 Tonnen CO2. Das entspricht etwa 15 Langstreckenflügen Frankfurt–New York. Zusätzlich spart der niedrigere CO2-Ausstoß über den CO2-Preis bares Geld — ein Vorteil, der mit steigendem CO2-Preis jedes Jahr wächst.
Fördersituation 2026
Die aktuelle Förderlandschaft bevorzugt Wärmepumpen massiv gegenüber Gasheizungen. Das ist politisch gewollt und wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern.
Fördervergleich im Überblick:
| Förderprogramm | Gasheizung | Wärmepumpe |
|---|---|---|
| BEG-Grundförderung | Keine Förderung | 30% Zuschuss |
| Klimageschwindigkeitsbonus | — | +20% (bei Austausch > 20 Jahre) |
| Effizienzbonus | — | +5% (natürl. Kältemittel/Erdwärme) |
| Einkommensbonus | — | +30% (Einkommen < 40.000 €) |
| Maximaler Fördersatz | 0% | 70% |
| KfW-Ergänzungskredit | Nicht verfügbar | Bis 120.000 € zinsgünstig |
| Steuerbonus (§ 35c EStG) | 20% über 3 Jahre | 20% über 3 Jahre (alternativ zu BEG) |
Konkretes Förderbeispiel:
Ein Hauseigentümer (Haushaltseinkommen 50.000 €) tauscht seine 25 Jahre alte Gasheizung gegen eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit natürlichem Kältemittel.
| Förderbaustein | Satz | Betrag (bei 22.000 € Kosten) |
|---|---|---|
| Grundförderung | 30% | 6.600 € |
| Klimageschwindigkeitsbonus | 20% | 4.400 € |
| Effizienzbonus (natürl. Kältemittel) | 5% | 1.100 € |
| Gesamtförderung | 55% | 12.100 € |
| Eigenanteil | 9.900 € |
Warum Gasheizungen nicht gefördert werden: Die Bundesregierung hat sich im Klimaschutzgesetz verpflichtet, den Gebäudesektor bis 2045 klimaneutral zu machen. Neue fossile Heizungen widersprechen diesem Ziel und erhalten daher keine Förderung mehr. Im Gegenteil: Der steigende CO2-Preis verteuert den Gasbetrieb gezielt.
Kommunale Zusatzförderung: Viele Städte und Landkreise bieten zusätzliche Förderprogramme für Wärmepumpen: - München: Bis zu 3.000 € zusätzlich - Hamburg: Bis zu 5.000 € zusätzlich - Stuttgart: Bis zu 2.500 € zusätzlich - Freiburg: Bis zu 4.000 € zusätzlich
Diese kommunalen Zuschüsse sind in der Regel mit der BEG-Förderung kombinierbar, solange die Gesamtförderung 90% der Investitionskosten nicht übersteigt.
Zukunftssicherheit: Gaspreisentwicklung und regulatorische Risiken
Neben den reinen Kosten sollte die Zukunftssicherheit ein zentrales Entscheidungskriterium sein. Hier unterscheiden sich Wärmepumpe und Gasheizung fundamental.
Gaspreisrisiken:
Die Gaspreise unterliegen starken Schwankungen und geopolitischen Risiken. Die Erfahrung der Energiekrise 2022/2023 hat gezeigt, wie schnell sich Gaspreise verdreifachen können. Strukturelle Faktoren für weiter steigende Gaspreise:
- CO2-Preis: Steigt gesetzlich festgelegt auf 100+ €/Tonne bis 2030
- LNG-Abhängigkeit: Deutschland importiert zunehmend teures Flüssiggas statt russisches Pipeline-Gas
- Sinkende Nachfrage: Weniger Gaskunden bedeuten höhere Netzentgelte pro verbleibendem Kunden (sog. "Todesspirale")
- EU-Regulierung: Die EU plant ein Verbot neuer Gasanschlüsse in Neubaugebieten ab 2030
- Gasnetz-Rückbau: Kommunen werden langfristig Gasnetze stilllegen, wenn zu wenige Kunden verbleiben
Strompreisausblick: Im Gegensatz zu Gas entwickeln sich die Strompreise tendenziell stabil bis sinkend: - Der Ausbau von Wind- und Solarenergie senkt die Börsenstrompreise - Netzentgelte steigen kurzfristig (Netzausbau), stabilisieren sich aber langfristig - Dynamische Tarife ermöglichen es, Wärmepumpen gezielt zu günstigen Zeiten zu betreiben - PV-Eigenverbrauch macht Sie unabhängig vom Strompreis
GEG als regulatorisches Risiko für Gasheizungen: Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, geht ein regulatorisches Risiko ein: - Die kommunale Wärmeplanung kann dazu führen, dass die Gasheizung nach Ablauf der Übergangsfrist durch eine erneuerbare Heizung ersetzt werden muss - Die Verschärfung des CO2-Preises ist gesetzlich vorgesehen - Ein Betriebsverbot für fossile Heizungen ab 2045 ist im Klimaschutzgesetz verankert - Der Wiederverkaufswert eines Hauses mit Gasheizung sinkt, da Käufer die zukünftige Heizungsinvestition einpreisen
Wertentwicklung der Immobilie: Studien zeigen, dass Gebäude mit Wärmepumpe und guter Energiebilanz 5–10% höhere Verkaufspreise erzielen als vergleichbare Gebäude mit fossiler Heizung. In energetisch sanierten Quartieren ist der Preisaufschlag noch deutlicher. Die Investition in eine Wärmepumpe ist also auch eine Investition in den Immobilienwert.
Fazit: Wann Wärmepumpe, wann Gas?
Nach Abwägung aller Faktoren — Anschaffung, laufende Kosten, Förderung, CO2-Bilanz und Zukunftssicherheit — ergibt sich ein klares Bild. Hier unsere ehrliche Empfehlung:
Wärmepumpe ist die bessere Wahl, wenn: - Sie Ihre Heizung ohnehin tauschen müssen (Defekt, Alter > 20 Jahre) - Ihnen Zukunftssicherheit und Unabhängigkeit wichtig sind - Sie die BEG-Förderung nutzen können (bis zu 70%) - Ihre Vorlauftemperatur unter 55°C liegt (oder durch Maßnahmen gesenkt werden kann) - Sie eine PV-Anlage haben oder planen - Sie in einem Gebiet wohnen, das laut Wärmeplanung nicht an ein Wärmenetz angeschlossen wird - Sie den Immobilienwert Ihres Hauses steigern wollen
Gasheizung könnte (kurzfristig) sinnvoll sein, wenn: - Ihre aktuelle Heizung irreparabel defekt ist und sofort ein Ersatz nötig ist — aber kein Wärmepumpen-Installateur verfügbar - Ihr Gebäude eine Vorlauftemperatur von über 65°C benötigt und keine Dämmmaßnahmen möglich sind - Sie in einem ausgewiesenen Wasserstoff-Netzgebiet wohnen und eine H2-Ready-Gasheizung einbauen (Achtung: hohes Risiko, dass das Wasserstoffnetz nicht kommt) - Sie über 80 Jahre alt sind und das Gebäude selbst bewohnen (GEG-Härtefall)
Der Gesamtvergleich auf einen Blick:
| Kriterium | Gasheizung | Wärmepumpe | Vorteil |
|---|---|---|---|
| Anschaffung (netto nach Förderung) | 12.000 € | 10.000 € | WP |
| Laufende Kosten/Jahr | 2.340 € | 1.800 € | WP |
| 20-Jahres-Kosten (gesamt) | 92.400 € | 73.300 €* | WP |
| CO2-Emissionen/Jahr | 3.600 kg | 1.700 kg | WP |
| Förderung | 0% | Bis 70% | WP |
| GEG-konform | Nein (Übergangsfrist) | Ja | WP |
| Zukunftssicherheit | Niedrig | Hoch | WP |
| Immobilienwert | Neutral/negativ | +5–10% | WP |
*Luft-WP + PV + Speicher, inkl. Speicher-Ersatz in Jahr 12.*
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